ER (der Chef ihres Chefs): Hallo, ich wollte nur mal nachfragen, ob Sie sich gut eingelebt haben.

SIE (hält aus Erfahrung wenig von ihm): Danke, ja. Soweit gut, ja.

ER: Also alles in Ordnung am neuen Ort.

SIE: Ja, es ist natürlich schon eine Abwechslung.

ER: Das verstehe ich, klar. Das ist immer wenn man etwas Neues anfängt. Das geht allen so.

SIE: Ja vermutlich schon.

ER: Und sonst?

SIE: Es ist jetzt schon etwas anders geworden, seit wir hier einen neuen Chef haben.

ER: Gut, dass man das auch spürt.

SIE: Ach?

ER: Ja, deshalb haben wir wir diese Stelle auch so besetzt. Es hat ja alles einen Grund. Und einen Sinn. Wir überlegen uns ja in den meisten Fällen auch etwas.

SIE: Das stimmt bestimmt.

ER: Die Zeiten ändern sich halt, das habe ich immer gesagt. Da muss man sich daran gewöhnen.

SIE: Ja, in gewissem Sinn schon.

ER: Schauen sie sich mal um! Wohin sie auch schauen – gestern ist nicht heute. Da können sie sich nicht wehren. Ja, apropos, an was sind sie heute so dran?

SIE: Zwei schwere Fälle am Nachmittag. Es sind Kinder involviert.

ER: Ja, man kann es sich nicht aussuchen. Da muss man durch. Oder “da muss “frau” durch…. hehehe! Also dann – weiterhin viel Spass am neuen Ort und viel Erfolg!

SIE: (würde am liebsten eine Voodoo-Puppe auspacken und mit Nadeln massakrieren). Danke, gleichfalls.

ICH: Guten Tag, ich habe eine Frage: Was ist der Unterschied zwischen dieser Sony Cybershot für 145 Franken und dieser ähnlich grossen Lumix für 445 Franken?

ER: Es ist ein ganz anderer Preis, eine andere Liga.

ICH: Ja, das sehe ich. Und was macht den Unterschied?

ER: Die Qualität.

ICH: Also was genau?

ER: Die Qualität der Fotos.

ICH: Und wie wirkt sich das aus?

ER: Hier hinten auf dem Display. Der Bildschirm der Lumix ist grösser.

ICH: Ach so. Und deshalb kostet die Lumix dreimal mehr?

ER: Nein.

ICH: Weshalb dann?

ER: Weil – wenn Sie die Fotos auf A4 ausdrucken, sind sie schärfer.

ICH: Ich drucke nie auf A4 aus.

ER: Trotzdem.

ICH: Beide bieten doch eine ähnliche Auflösung mit rund 18 Megapixel und ein optisches Zoom…

ER: Trotzdem. Die Lumix ist einfach besser.

ICH: Hmmm. Ok – dann nehme ich die Cybershot.

ER: Ich schaue, ob wir noch eine haben.

ICH: (warte)

ER: Wir haben keine mehr hier.

ICH: Schade.

ER: Es gibt nur noch dieses Ausstellungsteil.

ICH: Ah – und wie viel Rabatt gewähren Sie in dem Fall?

ER: Was Rabatt?

ICH: Einen günstigeren Preis, weil die Kamera nicht neu ist und Gebrauchsspuren aufweist.

ER: Nein, das machen wir nicht.

ICH: Schade.

ER: Wenn Sie sie jetzt kaufen…

ICH: Ja? Was dann?

ER: Dann packe ich sie jetzt ein.

ICH: Und geben mir einen Rabatt?

ER: Nein, das machen wir nicht.

ICH: Dann nehme ich sie nicht.

ER: Gut.

ICH : Was “gut”?

ER: Ich wusste nicht, was sagen.

ICH: Das habe ich die ganze Zeit gedacht.

ER: Was?

ICH: (schüttle den Kopf, lasse ihn in seinem weissen Hemd mit Namensschild stehen und gehe an die frische Luft)

Reif für die Insel

10. Juni 2014

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Reif für die Insel – schnell mal gesagt. Und wie bitte genau gemeint? Oder was gemeint? Ein semantisches Minenfeld tut sich auf. Wer “die Insel” allerdings als Lebensmodell und nicht als stehenden Begriff betrachtet, wird sie plötzlich nicht mehr nur als willkommenen Fluchtort, sondern auch als persönliches Abgrenzungswerkzeug wahrnehmen. Das generiert einen grossen Nutzen für sich selbst und das Umfeld – dank Lockerheit und Sympathie.

An heissen Sommertagen und natürlich auch an grauen Wintertagen wünschen sich viele Menschen einen Aufenthalt auf “der Insel”. Einige träumen dann von einer kleinen Insel in der Südsee, andere vielleicht von Sylt und wieder andere von den Galapagos. Es sind also nicht nur weisse, einsame Strände, nach denen sie sich manchmal sehnen. Da steckt mehr dahinter. Das Wort Insel löst unterschiedliche Erinnerungen und Wünsche in Form von Bildern, Gerüchen, Geräuschen, usw. aus – auf jeder Insel eigene, auf jeder Insel andere.

 

Ich, die Insel

Ich werde allein geboren und sterbe auch allein. Nicht lustig und dennoch wahr. Alles was ich erlebe und träume, widerfährt nur mir. Nur in meinem Kopf, verknüpft mit meinen Gefühlen. Meine Erfahrungen (wie gerade jetzt das Lesen dieses Textes), Wünsche, Geschichten, Werte, Gefühle, Glauben, Sinn für Humor, Empathie, einfach alles. Jetzt. Ich. Und fertig. Schlimm? Keineswegs.

Das Leben kann als andauernde Tragödie und finale Einsamkeit erfahren werden, doch dagegen kämpfen wir meist sehr erfolgreich vom ersten Tag unseres Lebens an. Wir sind auf Mitmenschen angewiesen und haben intuitiv gelernt, wie man Beziehungsbrücken baut und das Umfeld manipuliert. Wir richten noch heute unser Verhalten nach Nutzen aus und bauen tragfähige Verbindungen, wo immer es möglich ist. Denn gute Beziehungen bereichern das Leben und sind eine Versicherung gegen das Vereinsamen.

 

Ich, der Anpasser

Ich kann mich Situationen und Menschen sehr gut anpassen, wenn ich darin einen unmittelbaren Nutzen sehe. Ich ziehe mich dem Wetter oder andern Umständen entsprechend an, je nach Ziel eines Gesprächs setze ich Wortwahl, Betonung und Körpersprache ein, ich imitiere die Laute von Babies und gähne an langweiligen Sitzungen mit andern mit. Ich habe viele Pfeile im Köcher und kann selbst entscheiden, welcher der Geeignetste ist.

Eine tragfähige Beziehung setzt Anpassungsfähigkeit von mindestens einer Seite voraus. Ein introvertierter Buchhalter kann nach getaner Büroarbeit beim Karatetraining während zwei Stunden mächtig draufhauen und später zuhause sein weinendes Kind trösten und ein Gute-Nacht-Lied singen. 100% authentisch, 100% angepasst. Er ist in allen Rollen echt und somit sich und andern nützlich.

Menschen, die von sich behaupten “Ich bin, wie ich bin” stehen sich selbst in im Weg. Sie haben nicht begriffen, dass Anpassungsfähigkeit als Basis für sympathische Beziehungen etwas Wunderbares ist. Sie überlassen die Sympathie dem Zufall und ihrer Laune.

 

Ich, der Brückenbauer

Ich muss keine Brücken bauen. Ich kann, wenn ich will und es das Gegenüber zulässt. Rund 7.2 Milliarden Inseln gibt es heute auf unserem Planeten und jede ist “unique”. Brücken bauen heisst Verbindung aufnehmen, Verständigung suchen, mich mit Respekt für die Geschichte und Befindlichkeit meines Gegenübers interessieren, Bedürfnisse erkennen, Konsens suchen, Gemeinsamkeiten entdecken, kommunizieren.

Die Beziehungsbrücke ist ein temporäres Gebilde auf dem wir uns begegnen und die Kampfsportart “Kommunikation” betreiben. Dabei ist es wichtig, Kommunikation als Aikido und nicht als Karate zu verstehen. Es geht nicht um Schlagfertigkeit und Zerstörung, es geht um Synchronisation und Konstruktion. Je mehr Parallelen, desto weniger Widerstand. Was ähnlich ist, ist sympathisch.

 

Bauanleitung

  • Schenken Sie Ihrem Gegenüber volle Aufmerksamkeit
  • Passen Sie Ihr Sprechtempo, Lautstärke und Körperhaltung an
  • Stellen Sie sich wenn möglich seitlich oder sitzen Sie “über’s Eck”
  • Wiederholen Sie hin und wieder “wichtige” Wörter und ganze Satzteile des gegeübers
  • Fragen Sie nach dem WIE, nicht nach dem WARUM
  • Ersetzen Sie jedes ABER durch ein UND
  • Ärgern sie sich weniger – wundern sie sich mehr.

 

PS:

Wer Brücken baut, kann sie auch zerstören. Eine Scheidungsrate von über 50% sagt Vieles, auch über unseren Freiheitsgrad.

Vergrößerte Reize

11. Mai 2014

Der große Reiz. Das merkte ich wieder, als ich den Bildschirm des Rechners dunkler stellte, obgleich ich hier über Strom verfüge und alles Licht einschalten könnte. Doch eine helle Bildschirmbeleuchtung wird zum großen Reiz, und erzeugt eine Gewöhnung. Große Reize signalisieren die Ausschnitte der Welt grober, weil im Einzelnen heller und lauter. Wo bleiben dann die Zwischentöne und die Feinheiten der Betrachungen, in denen ja oft auch der Humor wohnt. Vielleicht geht der Humor genau so verloren. Mit dem Wegfall der Subtilitäten fällt auch die humoristische Situationsbetrachtung. Das wird vielleicht erst spät bemerkt, weil der Humor vorher durch Standardwitze ersetzt wird und durch vorgefertigte Standup Comedy. Standardwitze können dann schnell in Gut und Böse Kategorien eingeteilt weiden, damit die eine Kategorie verboten, die andere erlaubt werden kann. Die Normierung der Gesellschaft, des Denkens der Signale zu immer stärkerer Signalstärke. Die Normen immer klarer in + / – abgegrenzt. Wie lange können und wollen wir das aussitzen?

Bild

Kreuzung

10. Mai 2014

Für diese Kreuzung haben wir jetzt eine Ampel beantragt, die Ameisen kommen sonst gar nicht mehr klar.Bild

Bad timing

16. April 2014

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Dieses Jahr ist Ostern zu spät. Ende April kommen doch keine Skifahrer mehr in die Berge!

Letztes Jahr war Ostern zu früh, weil Ende März zu nahe an den Sportferien liegt.

Es ist ein Jammer. Dabei könnte es doch so schön sein.

Früher war alles besser

20. Januar 2014

Als ich ein kleiner Junge war, gab mir meine Mutter 2 Franken und schickte mich zum kleinen Lebensmittelgeschäft im Dorf. Ich kam zurück mit einem grossen Brot, 3 Liter Milch, einem Stück Käse, 6 Eiern und 1 Schachtel Zigaretten.

Das funktioniert heute nicht mehr.

Ein Jammer, diese elenden Überwachungskameras…

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