Zeit brauchen
10. Mai 2012
Aha.
Ich darf 3 Stunden gebraucht haben. Von was? Wofür? Seit wann? Absolut oder relativ? Ich darf? Wer verfügt über diese Rechte?
Kann ich Zeit brauchen? Sie anhalten? Beschleunigen? Verschwenden? Verschenken? Geniessen? Verwünschen?
Zeit fliesst. Sie rennt. Sie fliegt. Sie kommt und vergeht. Sie verrinnt. Manchmal steht sie einfach still. Welchem Betrachter soll man glauben?
Zeit und Raum sind mit dem Urknall entstanden, heisst es. Was war dann eine Sekunde vor diesem Ereignis?
Ich gebe auf. Ich habe keine Zeit für Gedanken an dieses verwirrende Konstrukt.
So eine blöde Tafel, die da wichtigtuerisch auf dem Golfplatz von Otelfingen im Rasen steckt. Keinen Ball habe ich danach mehr getroffen: Mein Timing war Vergangenheit und ich sah gegenwärtig keine Zukunft mehr.
So ein Jammer.
Neue Hoffnung
13. November 2011
Berlustconi, pardon, Berlusconi ist zurückgetreten. Tausende jubeln, liest man. Und: Ende der Hängepartie, Volksfestsimmung in Rom! Und in den Nachrichten hiess es kurz danach, dass die Finanzmärkte positiv auf den Rücktritt reagieren. Toll! Öhm – wer bitte? Die.. wer? Finanzmärkte? Wer ist das? Oder: Wer sind die? Und wen interessiert es, ob sie mit dem Volk mitjubeln, dessen Hoffnung sie teilen? Was für einen Wert hat deren Meinung noch? Die ganze Sache läuft aus dem Ruder, wir spüren es. Klar konnten wir nicht bemerken, dass der einfach zu erreichende Reichtum nur künstlich und von kurzer Dauer sein kann – wir waren allesamt geblendet von den unbegrenzt erscheinenden Möglichkeiten künstlicher Erfolgsprodukte von schlauen Finanzmathematikern. Jäger im Blutrauch halt. Wir alle. Tierisch und doch menschlich. Wir hofften immer noch. Und Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Der neue Hoffnungs-Träger heisst Mario Monti, ist 68er-jähriger Wirtschaftsprofessor aus Varese und ehemaliger EU-Kommisar. Sie nennen ihn bereits jetzt “Super-Mario”. Und die Finanzmärkte reagieren positiv. Gefühlsmässig bleibt nach dem Abgang des Cavaliere (wer hat wohl diese Missinterpretation kreiert?) nichts anderes übrig, als positiv zu reagieren. Was am Boden ist, kann nicht tiefer fallen. Diese Erkenntnis braucht wenig Verstand.
Also was ist jetzt wirklich positiv? Dass nun der Weg für neue Lösungen geebnet ist? Wir wissen, wie es lief: Papi wollte sich zum Abschied noch mit dem Durchdrücken des Sparpakets brüsten, um doch noch ein paar Euro-Punkte auf sein Konto zu buchen. Doch die Opposition hat ihm diesen Abgang vermiest und so ist man wenigstens einen weiteren Betrüger etwas schneller los. Doch was ist mit den Lösungen? Was genau ist jetzt geebnet? Der Weg zum vergrösserten EU-Rettungsschirm? Der Weg der armen Griechen zur Arbeit? Dass Milliardäre plötzlich einsichtig Steuern zahlen? Dass Deutsche weiterhin ihre EU-Angehörigen im Süden unterstützen? Dass explodierende Staatsverschuldungen und Konkurse von mitfühlenden Aktionären freiwillig gedeckt werden? Das ist etwa so naiv , wie das Umgruppieren von Liegestühlen auf dem Luxusdeck auf der Titanic.
Wessen Geld verteilen wir hier?
Die Finanzmärkte wissen es doch auch schon längst nicht mehr. Sie reagieren einfach einmal positiv, weil sie sich so gegen aussen einfach verständlich machen und vertrauenswürdig erweisen können, um dann unter dem Strich weiterhin ihre persönlichen Rettungsschirmchen zu bauen. Doch was sollen alle die tun, die noch an Finanzmärkte glauben? Wie reagiert man positiv? Mario Monti-Aktien kaufen? Olivetti? Formaggio? Staatsanleihen? Vom Niedergang profitieren?
Wessen Schulden teilen wir hier?
Wir kehren zurück zu einer alten Logik: Von nichts kommt nichts. Was allerdings mehr schmerzt, ist die Weiterführung dieses Gedankens, der Blick in die Zukunft: Wo viel war, wird viel fehlen. Auch den Finanzmärkten. Wer immer das ist.
Nicht wissen wollen?
26. Juli 2011
Eigentlich interessiert es mich wirklich nicht, denn diese Türe steht unattraktiv in irgendeiner Bahnhof-Unterführung im Kanton Bern und ringt um etwas Beachtung. Soll sie doch. Letztlich steckt nicht mehr dahinter, als ein lächerlicher Provokationsversuch einer übermotivierten Kunst-am-Bau-Fraktion in einem tristen Vorort. Pffff. Was soll dahinter schon sein? Kabelsalat? Styropor-Schachteln mit Ketchup-Resten? Gratis-Zeitungen? Grosses Kino, hahaha.
Es interessiert mich mehr, weshalb ich stehen blieb. Weshalb wollte ich es trotzdem wissen? Weil ich mir keine Vorschriften machen lassen will? Weil mein Hirn das “nicht” nicht interpretieren kann? Was hindert mich daran, zu handeln? Angst vor fremder Realität? Zu feige für Verantwortung? Fritzl hat seiner Frau wahrscheinlich Ähnliches einsuggeriert. Und Breivik hat sich hinter verschlossenen Türen vorbereitet.
Ich habe nicht einmal versucht, die Provokations-Türe zu öffnen. Insofern hat der Spruch meine Neugierde lahmgelegt. Oder irgend eine Vernunft aktiviert. Oder sonst was. Wer weiss.
Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss. So kommt man meistens gut durch das Leben.
Nicht lustig
22. April 2011
Mainstream
24. Mai 2010
Mainstream – die Erläuterung, bzw. Erleuchtung: Der Mainstream ist mit 524 Kilometer Fließstrecke der längste rechte Nebenstream des Rheins. Der Stream führt, für mitteleuropäische Streams ungewöhnlich, von Osten nach Westen und verläuft dabei sinnlos entlang mehrerer fränkischer Mittelgebirge, unbedeutender Kleinstädte, der langweiligen Silhouette Würzburgs und durch das fränkische Fuselweinbaugebiet. Also völlig absurd. Kurz oberhalb der Mündung verläuft der Mainstream durch die mit zahlreichen Brücken verbundene Innenstadt Frankfurts. Unglaublich. Und nun ist Mainstream also plötzlich messbar. 524 Kilometer! Nicht schlecht. Da muss sich die Masse anstrengen, wenn sie mithalten will.
Etwas Anderes – auch ebenso Bemerkenswertes – ist mir aufgefallen, als ich bei der Recherche zum Thema Mainstream, also Handstrom, auf die auffällig klare und unmissverständliche Hypohese von Maitl stiess:
Während Mahpilli drei mal vorkommt, davon einmal als Hueyi, schaffen es die andern Mainstreams nur ein mal, von der Hand von Bedeutung zu sein. Mahpilxocoyötl sieht da links oben aussen ausserdem ganz schön beschissen einsam aus. Was lernen wir daraus? Keine Ahnung. Wenn es Sie wirklich interessiert und Sie das Gefühl haben, man müsse immer irgendetwas lernen und überall seien Zeichen, dann fragen Sie doch Maitl. Und jammern Sie bitte nicht. Damit das auch wieder einmal gesagt ist.
Sorry, ist heute wohl nicht so main Tag.
Gut und Übel
9. März 2010

Etwas ist darum ein Gut, weil sein Besitz besser ist als sein Nicht-Besitz. Etwas ist darum ein Übel, weil sein Nicht-Besitz besser ist, als sein Besitz. Güter werden begehrt; Übel werden gemieden. Wir begehren etwas,das wir nicht haben, aber haben möchten. Und umgekehrt. Besitzen wir das begehrte Gut, dann steigt unser Wohlbefinden; stösst uns ein Übel zu, dann verringert sich Dieses. Ein Übel ist ein Mangel an einem Gut. Hätten wir ausreichend Güter, würden wir nie an einem Übel leiden. Wir haben aber nicht ausreichend Güter, capito?
Wir sind übelanfällig und schliesslich erkranken wir aufgrund von Gütermangelerscheinungen. Maktub, würde Coelho meinen. Schicksal – es steht geschrieben. Adam und Eva haben uns das eingebrockt. Seit sie das Paradies verlassen mussten, steht menschliches Leben unter einem unerbittlichen Regiment der Knappheit. Praktisch nichts ist im Überfluss vorhanden. Vieles ist knapp: nicht nur die materiellen Güter, auch die der Seele und erst recht die des Verstandes. Auch das Leben selbst ist knapp- schwupps und schon vorbei. Am Schluss merkt man dann, dass man doch nicht so viel davon hatte und gerne mehr davon gehabt hätte. Ein berechtigter Anspruch? Oder eine unerfüllte Hoffnung auf Gerechtigkeit? Welche Gerechtigkeit? Irreführende Semantik… die ist im Überfluss vorhanden!
(Auszüge aus Wolfgang Kerstings Theorien der sozialen Gerechtigkeit und Ideen von Dani Nieth)






