Holy days

25. Juli 2012

California is like – you know – sort of – totally like – oh my gosh! It’s kind of – you know – like awesome – it’s like more – like you know…

Wer für Beschreibungen meistens das Wort ‘like’ braucht, erlebt die Realität als Metapher. Gehörtes Beispiel: “I was like walking on the beach.” Spazierte sie am Strand oder hat sie es nur geträumt? Klar, man kann sagen, es handle sich hier nur um eine umgangssprachliche Sache. Das stimmt. Doch Sprache kreiert Realität. Und die Realität hierzulande kann mit der Zeit recht nerven.

Reisetipp: Augen auf und Ohren zu.

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Homerun

8. März 2012

Nach 10 Wochen in Südostasien aus dem Rucksack gelebt, stehe ich morgens plötzlich gern vor dem Kleiderschrank und geniesse die Qual der Wahl. Das war vorher nicht so. Zeitlupentempo.

In Saigon (HCMC) leben rund 9 Millionen Menschen, die auf 7 Millionen registrierten Scooters die Strassen fluten. Irrsinn.

Die Bahnwagen 2. Klasse der SBB sind klasse. Sauber und pünktlich und klar angeschrieben. Vorher waren sie das nicht. Billetkontrolle.

Für 1 Dollar gibt es Suppen mit Tofu oder Nudeln mit Chicken oder süssen Reis mit Mango. Oder einen Granatapfelsaft. 2 Kilogramm Mangos gibt es für 80 Rappen. Schlaraffenschnäppchenland.

Flexible Vegetarier sind willkommen:

720 Jahre latenter Frieden versus 130 Jahre Krieg. Demokratie versus Unterwerfung. Kaffe crème versus Chilli-Schoten. Strikte Ladenschlusszeiten versus täglicher Überlebenskampf. Lichtsignalanlagen zu Dekorationszwecken. Es ist schon ziemlich anders.

Jetzt bin ich ja wieder da, bzw. hier und tanze entspannt ums goldene Kalb. Jammern war gestern, jetzt ist Dankbarkeit angesagt. Ablaufdatum?

So schön…

15. September 2011

… das Licht momentan. Ich liebe den Spätsommer, es ist meine allerliebste Jahreszeit. Das warme, ruhige Licht. So schön. Unglaublich. Das gibt es nur Jetzt. Im Frühling ist es schon auch schön, aber irgendwie anders, aufgeregter, nicht so wie Jetzt. Die Farben. So intensiv.

So etwas Schönes gibt es nur hier. Schau mal die Berge, die weissen Gipfel, der dunkelblaue Himmel, das satte Grün der Wälder, wahnsinnig, gell?! So ein Privileg, hier zu leben, Schweizer zu sein und sagen zu können: Meins. Hier und ich. Wunderbar. In solchen Momenten tun mir die Ausländer ein wenig leid. Sie stehen als dankbare Mieter im eindrücklichen Gesamtkunstwerk – ich als stolzer Eigentümer. Das ist schon ein spürbarer Unterschied, da zeigt sich, wem das Land gehört.

Meine hohen Gipfel, meine starken Bäume, mein enger Horizont.

 

Eigendumm

4. März 2011

Während ich so durch die Karibik reise, denke ich, wer wohl Eigentum erfunden hat. “Das gehört mir.” Aha. Weshalb? Wie kann man eine Insel sein Eigen nennen? Sie besitzen? Besetzen ja, aber besitzen? Es gefällt mir nicht. Was auf den Informationstafeln über die Geschichte und die Entwicklung der Grenadineninsel (z.B. hier Union Island) steht, macht mich wütend.
Ureinwohner aus Südamerika haben vor x-tausend Jahren die Insel bevölkert. Sie riskierten die Überfahrt in eine fremde Welt mit kleinen Einbäumen, siedelten und lebten friedlich von Fischen und etwas Landwirtschaft.
Dann kamen die bärtigen  Eroberer aus Frankreich, England, Holland und Portugal. Sie kamen mit Sklaven, eroberten, mordeten, vergewaltigten, besassen und tauschten Inseln nach Belieben wie eine Handelsware. Das konnten sie nur, weil sie brutaler und stärker waren und andere Ziele verfolgten.
Ich stelle mir vor, wie und was das dazumal abgegangen ist. Ich täte das besser nicht, denn es trübt die fröhlichen Farben, die mich umgeben. Und ich tue es sehr wohl, denn dann verstehe ich, weshalb mich hier nicht alle Einheimischen willkommen heissen, nur weil ich etwas mehr Geld habe als sie.
Reisen ist schön. Und mit offenen Augen und Ohren besonders wertvoll.
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