Es ist schon zum Fürchten
11. Juni 2011
Jetzt wurden wir gerade gewarnt, dass ohne AKWs die Lichter an einigen Tagen in der Woche ausgehen, da kommen auch noch Leute daher, die sich allein von Licht ernähren. Auch wenn diese Lichtnahrung nach Meinung der Ärzte nicht ganz ausreicht, so sollten wir doch die Gefahr erkennen:
“Der bekannteste „Lichtesser“ aus dem deutschsprachigen Raum ist Michael Werner,[18] der nach eigenen Aussagen seit 2001 von „Lichtnahrung“ lebt.[19] Vom Institut für Komplementärmedizin der Universität Bern wurde Michael Werner unter kontrollierten Bedingungen zehn Tage lang begleitet und untersucht. Werner nahm in dieser Zeit nur Flüssigkeit zu sich, die keine oder nahezu keine Kalorien enthielt. Die 2008 veröffentlichte Studie kommt zum Schluss, dass die Behauptung von Werner, auf herkömmliche Nahrung verzichten zu können, widerlegt sei. Werner verlor an Körpergewicht und auch die körperliche Leistungsfähigkeit nahm während des Selbstversuchs ab.[20]” http://de.wikipedia.org/wiki/Lichtnahrung
Ok, er war noch nicht ganz so weit, aber das war 2001. Heute lebt er ganz bestimmt ausschließlich vom Licht und er hat sicherlich Gefolgschaft, die ebenfall nur Licht essen. Tja, da wird die Schweizer AKW Trauergemeinde ihre Prognose von 2,8 lichtfreien Tagen pro Woche wohl bald nach oben korrigieren müssen, sofern das Licht in diesen Köpfen nicht schon ausgegangen ist und sie noch die 2 Watt für Rechenleistung aufbringen können.
Wir steigen aus
7. Juni 2011
Der Bundesrat hat entschieden, das Volk nickt zustimmend, alle sind zufrieden mit der eigenen Vernunft: Atomstrom hat keine Zukunft – wir steigen aus. Toll. So einfach geht das und schon lacht einen die Zukunft unverstrahlt an. Fukushima hat uns Augen und Poren geöffnet . Wer konnte nur so lange blind sein, weshalb hat man nicht früher gehandelt? Man wusste ja schon lange, dass das Spalten von Atomen gefährlich ist!
Wir steigen aus.
Rund 40% des Strombedarfs der Schweiz wird zur Zeit durch Atomenergie gedeckt. Gleichzeitig verhindern Heimat- und Umweltschutz, strenge Bauvorschriften und Einsprachen ein zügiges Umsteigen auf erneuerbare Energien. Windparks in unserer Nähe? Nein danke! Solarzellen auf Hausdächern in Kernzonen? Kommt nicht in Frage! Trotzdem:
Wir steigen aus.
Wie bitte? Wer ist hier zu Lande bereit, einen echten Beitrag zu leisten und auf 40% des persönlichen Stromverbrauchs zu verzichten? Das heisst, an 2.8 Tagen pro Woche auf jeglichen Strom zu verzichten? Kein Licht, kein Computer, kein Handy, kein TV, kein Radio, kein öffentlicher Verkehr, keine warme Küche, kein wasweissich.
Wir steigen aus.
Kernkraftwerke produzieren durch Betrieb und Herstellung über die Lebenszeit weniger CO2 als Solarstrom. So führt – nur so nebenbei - der Ausfall von Atomstrom zu einer Erhöhung der Treibhausgasemissionen durch die alternative Stromproduktion. Dabei wüsste man ja schon heute, dass ein Ozonloch gefährlich ist. Oder sein kann. Oder einmal sein könnte. Ähnlich wie die Endlagerung atomaren Abfalls. Aber das ist ja noch weit weg, das werden unsere Nachfahren zu lösen haben. Und damit sie es dann auch noch können wenn es soweit ist, müssen wir jetzt dringend dafür sorgen, dass sie gesund bleiben:
Also steigen wir aus!
Wir steigen aus aus Atomstrom, aus Ausbildungen, aus Beziehungen, aus Laufgittern, aus Verträgen, aus Vereinen, aus Auto und Flugzeugen und immer wieder aus der persönlichen Verantwortung. Wieso steigen wir nicht einfach aus unseren angestammten Verhaltensmustern aus? Vielleicht weil jammern einfacher ist?
Nächste Gesellschaft
18. Mai 2011
Zukunftsfähigkeit: 15 Thesen zur nächsten Gesellschaft
Dirk Baecker, Zeppelin University, Mai 2011
“(1) Die nächste Gesellschaft unterscheidet sich von der modernen Gesellschaft wie die Elektrizität von der Mechanik. Schaltkreise überlagern Hebelkräfte. Instantaneität erübrigt Vermittlung. Wo der Buchdruck noch auf Verbreitung setzt, rechnen die Computer bereits
mit Resonanzen. Die Dynamik der Moderne, die noch als Geschichte, Fortschritt und Dekadenz lesbar war, löst sich in Turbulenzen auf, die nur noch Singularitäten kennt.
(2) Die Kulturform der nächsten Gesellschaft ist nicht mehr das Gleichgewicht, sondern das System. Identitäten werden nicht mehr daraus gewonnen, dass Störungen sich auspendeln, sondern daraus, dass Abweichungen verstärkt und zur Nische ausgebaut werden.
Gleichgewichte sind leere Zustände; sie warten auf die nächste Störung. Systeme sind von sich aus unruhig; sie verschwinden, wenn sie keinen Anschluss finden.
(3) Die Strukturform der nächsten Gesellschaft ist nicht mehr die funktionale Differenzierung, sondern das Netzwerk. An die Stelle sachlicher Rationalitäten treten heterogene Spannungen, an die Stelle der Vernunft das Kalkül, an die Stelle der Wiederholung die Varianz.
(4) Die Integrationsform der nächsten Gesellschaft ist nicht mehr die Geschichte in ihrer Gegenwart als Fortschritt oder Dekadenz, sondern die unbekannte Zukunft in ihrer Gegenwart als Krise. Solange man nicht weiß, wie es weitergeht, vergewissert man sich eines Stands der Dinge, auf den kein Verlass ist.
(5) Die Politik der nächsten Gesellschaft ist militärisch, ökonomisch und ökologisch konservativ. Die Macht, die ihr bleibt, ergibt sich aus der Überzeugungskraft des Status Quo. Sie liefert die Adressen, an die man sich wendet, wenn man einen Überblick behalten möchte,
der nicht mehr möglich ist.
(6) Die Wirtschaft der nächsten Gesellschaft ist ambitioniert und leidenschaftlich. Die Welt wird laufend neu erfunden und immer nur wiederentdeckt. Wirtschaften heißt, seinem Kapital immer einen Schritt voraus zu sein.
(7) Die Kunst der nächsten Gesellschaft ist leicht und klug. Sie weicht aus und bindet mit Witz. Ihre Bilder, Geschichten und Töne greifen an und sind es nicht gewesen.
(8) Die Wissenschaft der nächsten Gesellschaft ist poetisch und mathematisch. Sie entwirft und berechnet das autonome Objekt. Sie allein ist zuständig für das Neue. Ihre Mathematik einer rekursiven Komplexität tritt an die Stelle des Kalküls, der Geometrie und der Linie.
(9) Die Religion der nächsten Gesellschaft ist großartig und gnadenlos. Sie berichtet von einer Welt, die umso fremder auf den Menschen zurückschaut, je weiter dieser in sie hineinschaut.
(10) Die Organisation der nächsten Gesellschaft ist kenogrammatisch. Sie definiert Leerstellen, die jederzeit anders besetzt werden können. Sie motiviert zu einer Arbeit, die nur in diesem Moment nicht austauschbar ist. Sie engagiert sich für Produkte, die den Kunden binden, indem sie ihn freisetzen.
(11) Die Technik der nächsten Gesellschaft macht die Welt zur Prothese ihrer selbst.
(12) Die Reflexionsform der nächsten Gesellschaft ist nicht mehr die Magie wie in der tribalen Gesellschaft, die Macht in der antiken Gesellschaft oder das Geld in der modernen Gesellschaft, sondern die Information. Religion, Politik und Wirtschaft treten ihre Orientierungsleistung an die Massenmedien ab. Die Allianz von Nachricht, Werbung und Unterhaltung wird paradigmatisch wichtiger als die Kommunikation mit abwesenden Göttern, die Einschränkung der Willkür und die Stabilität der Instabilität.
(13) Das Individuum der nächsten Gesellschaft spielt, wettet, lacht und ist ratlos. Es zählt wie in der Stammesgesellschaft, fühlt wie in der Antike, denkt wie in der Moderne und muss sich dennoch jetzt und heute an der Gesellschaft beteiligen. Es vergewissert sich seiner Gruppe, träumt von seinem Platz, berechnet seine Chancen und muss dennoch erleben, wie bereits die nächste Verwicklung es überfordert.
(14) Die Moral der nächsten Gesellschaft wird darin bestehen, auf die Unanschaulichkeit dieser Gesellschaft mit Augenmaß zu reagieren.
(15) Die Negationsform der nächsten Gesellschaft ist nicht mehr der Rausch, die Korruption oder die Kritik, sondern die Posse, die Transformation einer Unmöglichkeit in eine Möglichkeit. Sie ist so unberechenbar produktiv wie jede Negationsform; und dies nicht etwa,
weil sie nicht wüsste,….”
zitiert aus: http://www.dirkbaecker.com/15Thesen.pdf
Moderne Zeiten
2. Mai 2011
können gute Zeiten sein, schnelle Zeiten, intensive Zeiten. oder aber die illusion von Geschwindigkeit (Google zeigt mir jetzt keywordranks von Artikeln, die ich 2005 geschrieben hatte
)
“Man sagt heute nicht mehr „Jugend“, nein! Die Jungen heißen heute Digital Natives, weil sie schon mit fünf ein Handy hatten, ohne das keine ungestörte Persönlichkeitsentwicklung im Digital Age möglich ist. Oma sagt: „Bald darfst du zur Schule. Brauchst du da nicht ein Handy zum Geburtstag?“ – „Wehe, ich bekomme ein Handy! Ich will ein Smartphone! Wehe, ich bekomme eins mit Tasten! Wehe, eines von (ups!), was Papa hat!“ Digital Natives fragen die Mama: „Ma, von welchem Portal habt ihr mich gedownloadet?“ Und Papa bittet: „Pass auf, meine Kleine, wir machen einen Deal, weil ich mit dem Computer absolut nichts blicke. Du arbeitest für mich im Home-Office für meine Firma und ich mache dafür deine analogen Hausaufgaben, die seit Humboldt die gleichen sind, die kann ja noch jeder wie ich, der aus der Steinzeit stammt.“” zitiert aus: Sinnraum
Nicht lustig
22. April 2011
Eigendumm
4. März 2011
Urlaub
6. Februar 2011
Ich brauche nur wenig Anregungen, meine Kopfgedanken und Kopfgespräche bilden Anregung genug, veranlassen mich, in die verschiedensten Richtungen zu denken, zurück in die Geschichte, nach vorn in die Zukunft, nach links zum Meer und nach rechts ins Mittelland, wo es jetzt vielleicht regnet und die kargen Berge in neuem Grün erscheinen. Dann wird mir an den Schultern etwas kalt, ich ziehe aber kein Hemd an, weil ich ja im Süden bin, wie ich auch keine lange Hose anziehe, eben, weil ich im Süden bin und im Urlaub. Urlaub findet in kurzen Hosen statt. So.
Wahlmöglichkeit
1. Februar 2011
Der Herr schaut aufs Meer
und sieht die blauen Wellen, jetzt,bei diesem Wind mit weißen Kronen von rechts nach links treibend. Der Herr fühlt sich als ein Mittelpunkt dieses Treibens, abwechseln mit den einzelnen Wellen, die er betrachtet. Das Meer hat viele Farben, vom tiefen Ultramarin bis zum hellen Grün und der Herr hat viele Gedanken. Diese Gedanken ziehen jedoch nicht wie die Wolken und die Wellen von links nach rechts, sondern auch gegenläufig in verschiedene Richtungen. und als der Herr dies beobachtet fällt ihm auf, dass Wellen und Wolken ebenfalls in die unterschiedlichsten Richtungen treiben, oft gleichzeitig. Eindeutig definierte Richtungen erscheinen jetzt als Reduktion der Wolken- und Meereswellenbewegung, als Reduktion, die gerne zur Vorschrift für menschliche Entscheidungen genutzt wird. Nachdem die Entscheidungsgrundlagen auf zwei ähnlich unattraktive Alternativen reduziert wurden, sollen wir uns für eine diese Alternativen entscheiden und so Stärke und Entscheidungskompetenz demonstrieren. Der Herr verzichtet.
Glück – Pech – Glück – Pech
4. Januar 2011
Glück besteht in der Kunst, sich nicht zu ärgern, dass der Rosenstrauch Dornen trägt, sondern sich zu freuen, dass der Dornenbusch Rosen trägt.
(Arabisches Sprichwort)
Jaja. Bestimmt. Wird schon so sein. Vielleicht nicht für alle gleich einfach zu meistern.
Glück bedeutet nicht, das zu kriegen, was wir wollen, sondern das zu wollen, was wir kriegen.
(Unbekannt)
Und wo liegt hier bitte der Unterschied? Ich will etwas und kriege es. Ich kriege etwas und will es. Mathematisch gleichbedeutend. In sich, auf der Zeitschiene betrachtet, ändern sich die Dinge. Das eine Wollen wird kriegerisch, das andere demütig. Von mir aus.
Eigentlich ein komisches Wort. “Glück”. Glück. Glück. Wenn man das so eine gewisse Zeit lang wie als Mini-Mantra vor sich hin denkt, redet oder liest verliert es nicht nur an Bedeutung, es wird fast lächerlich. Glück. Glükk. Ück. Ükkück. Haha. Hühü.
Fragen wir den Weihnachtsbaum:
Zuerst hatte er Glück. Wuchs in einer gepflegten Baumschule auf, nicht besonders wild, dafür behütet. Jahr um Jahr ahnte er, wie viel Glück er hatte, wenn er Weihnachten draussen, mit seiner immer kleiner werdenden Familie, erleben durfte. Denn kaum wurde es Winter, holten sie seine älteren Geschwister. Dieses Jahr hatte er Pech.
Der Weihnachtsmarkt war nicht romantisch, immerhin hatten sie ihm noch kein Netz verpasst – er stand auf wackeligem Stumpf, langsam ausblutend, in einen Stahlständer geschlagen, auf dem Pflastersteinbelag vor dem Rathaus, hatte etwas Umschwung und fror. Von Aussen war er schön anzusehen. Regelmässig, dicht und kräftig, schöner Doppelspitz, amputierte Wurzel. Er kam rasch weg und hatte Glück.
Drinnen, an der Wärme, wo es nach Zimt roch, wurde er geschmückt, behängt und bewundert. Man beachtete ihn, achtete ihn, liebte ihn. Es ging ihm gut. Im Vergleich zum Truthahn sowieso. Eigentlich wollten sie ihn bis zum 6. Januar stehen lassen. Dort in “seiner” Ecke. Doch bereits an Sylvester wurde über ihn geschnödet und am nächsten Morgen kam er dran. Innert Rekordzeit abgeräumt, aus dem Ständer gezogen und aus dem Fenster geworfen. Pech.
Jetzt liegt er da, seit drei Tagen, man geht an ihm vorbei, nicht achtlos – doch tun kann man ja nichts mehr.
Ein Elch isst pro Tag zwei Tannenbäume. Aber nur die, welche nicht geschmückt wurden, also die Unverkauften. Wegen Lametta und Wachs und so.
Glück gehabt. Wer weiss.





