Allgemein, Corona, CoVid-19, Entscheidungen, Krisenbewältigung

Konjunktivitis-19

Wie verwirrend ist das denn?! Die Headline auf der gestrigen Titelseite des Tages-Anzeigers stellt die Anordnungen des Bundesrates in ein gutes Licht: HÄTTE der BR später gehandelt, WÄREN 6000 Menschen mehr gestorben.

Auf Seite 4 dann eine ziemlich andere Aussage: WÄRE der Lockdown eine Woche früher befohlen worden, WÜRDEN heute 1600 Menschen mehr leben. Das stellt unsere Regierung eindeutig an den Pranger.

Also – was jetzt? Hat der BR richtig oder falsch entschieden? Wir wissen es nicht. Und wir werden es nie wissen. Doch leider drängen sich immer wieder Experten ins Rampenlicht, um uns ihre Hypothesen zu verkaufen und um uns zu sagen, was man alles besser HÄTTE machen können. Das hilft niemandem. HÄTTE, WÜRDE, SOLLTE, KÖNNTE… bitte aufhören! Man kriegt leicht den Eindruck, dass hierzulande einige Epidemiologen und Virologen immer noch sauer sind, weil sie von Alain Bersets Krisenstab und dem BAG nicht in die Swiss National Covid-19 Science Task Force berufen wurden.

Was nützen uns denn irgendwelche Modelle, Berechnungen und Theorien? Nichts. Im Gegenteil: Sie heizen an und giessen Öl ins Fegefeuer der Besserwisser und Verschwörungstheoretiker. Was wir definitiv nicht brauchen, ist ein gesellschaftlicher Flächenbrand.

Schön WÄRE es, wenn man international vergleichbare Zahlen HÄTTE. Haben wir aber nicht, weil jedes Land anders testet, misst und zählt. Insofern WÄRE es gut, wenn die Theoretiker ihre Resultate einfach für sich behalten WÜRDEN.

Standard
Allgemein, Corona, CoVid-19, Entscheidungen, Glaubenssätze, Ideen und Gedanken, Krisenbewältigung

Jetzt NICHT entscheiden!



Die schwierige Phase kommt erst jetzt. Jetzt, wo wir bereits übersättigt sind von all den Bildern, Zahlen, Berichten, Fakten und Kommentaren rund um Corona. Jetzt, wo der Virus von vielen verdrängt wird, weil er trotz der medialen Omnipräsenz in der eigenen Welt nicht angekommen ist. Auch wenn es viele Infizierte und Tote gibt – noch immer haben die wenigsten von uns Betroffene im eigenen Umfeld.

Also wie handeln?

Der Schweizer Bundesrat handelt auf seine Art. Angela Merkel regiert ähnlich. Südkorea und Singapur zeigen sich vorbildlich (wie man im Nachhinein realisiert – vor zwei Monaten wurden sie noch als hysterisch bezeichnet). Schweden lässt die Skigebiete offen, Südeuropa ist quasi unter Quarantäne und in den USA wechselt die Strategie mit der Laune des Präsidenten. Alle handeln so, wie sie es für richtig empfinden – also mehr oder weniger anders.

Also was glauben?

Die Fronten verhärten sich, Glaubenskriege entstehen. Es gibt bekannte und verdiente Virologen, die eindringlich vor Lockerungen der Massnahmen warnen. Und es gibt ebenso anerkannte und berühmte Virologen, die das Gegenteil behaupten. Beide Lager präsentieren Fakten und interpretieren diese nach ihrem Gutdünken. Das ist weder gut noch böse – sie können nicht anders. Es ist einfach für uns Laien ziemlich schwierig, wem wir nun glauben sollen.

Die grosse Gefahr ist, dass man sich jetzt unkritisch einer Glaubensrichtung anschliesst, fremde Meinungen 1:1 übernimmt und mit dem Finger auf die zeigt, die es anders sehen. Bleiben die eiligst organisierten Spital-Betten mittelfristig leer, wird es heissen: „Ich habe es ja immer gesagt! Typisch Schweiz. Alles übertreiben. Wäre gar nicht nötig gewesen, diese Panikmache!“ Wenn es vielleicht zu wenig Betten hat, wird das andere Lager schreien: „Unsere Regierung hat zu langsam gehandelt! Die haben keinen Mut und sind von wirtschaftlichen Interessen getrieben!“

Also was wissen?

Am besten gar nichts. Wie schon Sokrates sagte: „Ich weiss, dass ich nichts weiss.“ Tatsächlich können wir über die Folgen von Corona nichts wirklich wissen, bevor wir verschiedene (!) Konzepte und deren Resultate vorliegen haben. Insofern sind alle getroffenen Massnahmen als richtig anzunehmen, denn sie werden uns letztlich zu wertvollen Erkenntnissen verhelfen. Wirtschaftlich, sozial und gesundheitspolitisch.

Also was tun?

Jetzt heisst es: Geduldig abwarten und sich unbedingt an die Vorschriften des eigenen Landes halten. Nur so können wir in ein paar Monaten (hoffentlich!) zurückschauen, aus den verschiedenen Modellen lernen und uns kooperativ weiter entwickeln.

Standard