Glaubenssätze

Erkennen und Wissen wurden verwechselt, ein Jammer.

Selbsterkenntnis wurde auf Grund einer peinlichen Übersetzung des Spruches von Delfi so beliebt. Es gibt aber am Selbst nichts zu erkennen, nur etwas zu wissen. Es heißt nicht „Erkenne Dich selbst“, sondern Wisse Dich. Was könnten wir auch am Selbst erkennen können und wer sollte das tun? Wissen ja, ich habe ja meine Geschichte und das Selbst hat seine, aber erkennen?

 „Ich bin, unmittelbar; aber so bin ich nur als lebendiger Organismus; als Geist bin ich nur, insofern ich mich weiß. Gnôthi seauton wisse Dich, die Inschrift über dem Tempel des wissenden Gottes zu Delphi, ist das absolute Gebot, welches die Natur des Geistes ausdrückt.“ [Hegel: Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, S. 58. Digitale Bibliothek Band 3: Geschichte der Philosophie, S. 62 (vgl. Hegel-Werke Band. 18, S. 51)]

 Selbst Hegel scheint aber erkennen und wissen gleich zu setzen.

Franz Stowasser hingegen denkt Erkennen als ein augenblickliches sensorisches Phänomen, Wissen jedoch enthält Geschichte.

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Nicht wissen wollen?

Eigentlich interessiert es mich wirklich nicht, denn diese Türe steht unattraktiv in irgendeiner Bahnhof-Unterführung im Kanton Bern und ringt um etwas Beachtung. Soll sie doch. Letztlich steckt nicht mehr dahinter, als ein lächerlicher Provokationsversuch einer übermotivierten Kunst-am-Bau-Fraktion in einem tristen Vorort. Pffff. Was soll dahinter schon sein? Kabelsalat? Styropor-Schachteln mit Ketchup-Resten? Gratis-Zeitungen? Grosses Kino, hahaha.

Es interessiert mich mehr, weshalb ich stehen blieb. Weshalb wollte ich es trotzdem wissen? Weil ich mir keine Vorschriften machen lassen will? Weil mein Hirn das „nicht“ nicht interpretieren kann?  Was hindert mich daran, zu handeln? Angst vor fremder Realität?  Zu feige für Verantwortung? Fritzl hat seiner Frau wahrscheinlich Ähnliches einsuggeriert. Und Breivik hat sich hinter verschlossenen Türen vorbereitet.

Ich habe nicht einmal versucht, die Provokations-Türe zu öffnen. Insofern hat der Spruch meine Neugierde lahmgelegt. Oder irgend eine Vernunft aktiviert. Oder sonst was. Wer weiss.

Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss. So kommt man meistens gut durch das Leben.

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Glück – Pech – Glück – Pech

Glück besteht in der Kunst, sich nicht zu ärgern, dass der Rosenstrauch Dornen trägt, sondern sich zu freuen, dass der Dornenbusch Rosen trägt.
(Arabisches Sprichwort)

Jaja. Bestimmt. Wird schon so sein. Vielleicht nicht für alle gleich einfach zu meistern.

Glück bedeutet nicht, das zu kriegen, was wir wollen, sondern das zu wollen, was wir kriegen.
(Unbekannt)

Und wo liegt hier bitte der Unterschied? Ich will etwas und kriege es. Ich kriege etwas und will es. Mathematisch gleichbedeutend. In sich, auf der Zeitschiene betrachtet, ändern sich die Dinge. Das eine Wollen wird kriegerisch, das andere demütig. Von mir aus.

Eigentlich ein komisches Wort. „Glück“. Glück. Glück. Wenn man das so eine gewisse Zeit lang wie als Mini-Mantra vor sich hin denkt, redet oder liest verliert es nicht nur an Bedeutung, es wird fast lächerlich. Glück. Glükk. Ück. Ükkück. Haha. Hühü.

Fragen wir den Weihnachtsbaum:

Wiedikon, 1. Januar 2010

Zuerst hatte er Glück. Wuchs in einer gepflegten Baumschule auf, nicht besonders wild, dafür behütet. Jahr um Jahr ahnte er, wie viel Glück er hatte, wenn er Weihnachten draussen, mit seiner immer kleiner werdenden Familie, erleben durfte. Denn kaum wurde es Winter, holten sie seine älteren Geschwister. Dieses Jahr hatte er Pech.

Der Weihnachtsmarkt war nicht romantisch, immerhin hatten sie ihm noch kein Netz verpasst – er stand auf wackeligem Stumpf, langsam ausblutend, in einen Stahlständer geschlagen, auf dem Pflastersteinbelag vor dem Rathaus, hatte etwas Umschwung und fror. Von Aussen war er schön anzusehen. Regelmässig, dicht und kräftig, schöner Doppelspitz, amputierte Wurzel. Er kam rasch weg und hatte Glück.

Drinnen, an der Wärme, wo es nach Zimt roch, wurde er geschmückt, behängt und bewundert. Man beachtete ihn, achtete ihn, liebte ihn. Es ging ihm gut. Im Vergleich zum Truthahn sowieso. Eigentlich wollten sie ihn bis zum 6. Januar stehen lassen. Dort in „seiner“ Ecke. Doch bereits an Sylvester wurde über ihn geschnödet und am nächsten Morgen kam er dran. Innert Rekordzeit abgeräumt, aus dem Ständer gezogen und aus dem Fenster geworfen. Pech.

Jetzt liegt er da, seit drei Tagen, man geht an ihm vorbei, nicht achtlos – doch tun kann man ja nichts mehr.

Ein Elch isst pro Tag zwei Tannenbäume. Aber nur die, welche nicht geschmückt wurden, also die Unverkauften. Wegen Lametta und Wachs und so.

Glück gehabt. Wer weiss.

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Mainstream II

Der Mainstream (englisch, wörtlich Hauptstrom) spiegelt den kulturellen Geschmack einer großen Mehrheit wider, im Gegensatz zu Subkulturen oder dem ästhetischen Underground. Der Mainstream ist eine Folge einer Kulturdominanz.

Prima. Wenn also irgendetwas den Meisten gefällt, dann ist es Mainstream. Er verbreitet sich, dominiert und wird unauffällig gefällig. Dann wird er brav und später bieder, wie seine Zielgruppe oder Rolf Knie-Sujets auf Duschvorhängen in Grossverteiler-Verkaufsregalen. Dann versiegt der Mainstream, weil er der Mehrheit nicht mehr gefällt. Er trocknet sich systematisch selber aus. Einige halten sich dennoch lang, schaffen es sogar zum Klassiker, wie zum Beispiel die Grillwurst. Wobei es ja bald keine Darmhäute mehr gibt und dann ist auch Schluss.

Blöd ist es auch für die Subkulturellen und Underground-Ästheten. Die geben sich doch immer so Mühe, anders zu sein. So avantgardistisch, so frei. Dabei verhalten sie sich so auffällig unauffällig, dass sie rasch entdeckt und nachgeahmt werden. Von rundherum sickern die Groupies und die Trend-Scouts rein und schon schwimmen die Schöpfer im Mainstream. Den Rest kennen wir: Ein langsames, schmerzendes Sterben einer kurz aufgeflammten unabhängigen Stilepoche. Und das verkrampfte Suchen nach Individualität und Überlegenheit beginnt von vorn. Hier ein kleiner Tipp für alle, die sich wirklich von der Masse abgrenzen wollen: Lassen Sie sich Ihre Initialen ins Designer-Hemd sticken. Einigen hat das schon geholfen.

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Mainstream

Mainstream – die Erläuterung, bzw. Erleuchtung: Der Mainstream ist mit 524 Kilometer Fließstrecke der längste rechte Nebenstream des Rheins. Der Stream führt, für mitteleuropäische Streams ungewöhnlich, von Osten nach Westen und verläuft dabei sinnlos entlang mehrerer fränkischer Mittelgebirge, unbedeutender Kleinstädte, der langweiligen Silhouette Würzburgs und durch das fränkische Fuselweinbaugebiet. Also völlig absurd. Kurz oberhalb der Mündung verläuft der Mainstream durch die mit zahlreichen Brücken verbundene Innenstadt Frankfurts. Unglaublich. Und nun ist Mainstream also plötzlich messbar. 524 Kilometer! Nicht schlecht. Da muss sich die Masse anstrengen, wenn sie mithalten will.

Etwas Anderes – auch ebenso Bemerkenswertes – ist mir aufgefallen, als ich bei der Recherche zum Thema Mainstream, also Handstrom, auf die auffällig klare und unmissverständliche Hypohese  von Maitl stiess:

Während Mahpilli drei mal vorkommt, davon einmal als Hueyi, schaffen es die andern Mainstreams nur ein mal, von der Hand von Bedeutung zu sein. Mahpilxocoyötl sieht da links oben aussen ausserdem ganz schön beschissen einsam aus. Was lernen wir daraus? Keine Ahnung. Wenn es Sie wirklich interessiert und Sie das Gefühl haben, man müsse immer irgendetwas lernen und überall seien Zeichen, dann fragen Sie doch Maitl. Und jammern Sie bitte nicht. Damit das auch wieder einmal gesagt ist.

Sorry, ist heute wohl nicht so main Tag.

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Lebensberatung

Lieber Franz

Dein Aufruf ehrt mich. Danke! Und verwirrt mich zugleich: Quoten bolzen mit Alltäglichkeiten? Es sollen möglichst viele Menschen unseren Blog lesen und Handlungsanleitungen für ein besseres Leben erhalten?  Nun – lass mich mal überlegen. Hmmm… Am Besten überbrücke ich mit einer Definition von Jammern – heute vom TV-Lebensberater Eric Vincent:

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