Dani Fohrler hat mich am 18. April in seine Sendung „Treffpunkt“ ins Radiostudio von SRF1 eingeladen. Eine Stunde lang unterhielten wir uns über mein Lieblingsthema, das Jammern.

Dani und ich kennen uns seit bald 20 Jahren. Damals waren wir noch TV-Quoten-Konkurrenten: Dani mit Fohrler live auf TV3, ich mit Klartext auf RTL/ProSieben. Im Magazin Facts haben sie uns verglichen und – so weit ich mich erinnere – ein ähnliches Foto wie oben abgelichtet. Schon damals waren wir beide Fans von schönen Uhren und uns freundlich gesinnt 😉

Danke Dani Fohrler, für das fein geführte und bestens vorbereitete Interview. So macht Radio Spass.

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Jammern – ein Ventil, das der Mensch wirklich braucht?

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Allgemein, Ideen und Gedanken, Krisenbewältigung, Lebenshilfe, Positiv handeln, Reframing

Motivation

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Diese Aufnahme habe ich im Frühling in Sizilien gemacht. Spontan kam mir dabei „Motivation“ in den Sinn.

Zum ersten mal habe ich das Wort „Motivation“ als junger Mann im Militärdienst gehört.  „Motivieren Sie endlich Ihre Gruppe!“ forderte der junge Leutnant den noch jüngeren Wachtmeister auf. Obwohl ich das Wort bis anhin nicht kannte, begriff ich die Bedeutung sofort und fand damals, dass es sich recht intelligent anhört.

Vor Jahren kam mir das Buch Mythos Motivation von Reinhard K. Sprenger in die Finger. Sprenger unterscheidet zwischen Motivation und Motivierung. Motivation kommt von Innen, Motivierung von Aussen. „Alles Motivieren ist Demotivieren“ – das ist eine interessante Erkenntnis und für viele Führungspersonen zugleich eine provokative Aussage. Jedenfalls ist das Buch auch nach 26 Jahren aktuell und äusserst lesenswert.

Die Frau in der Kirche. Viel Motivation scheint hier nicht vorhanden zu sein. Vor dem Hintergrund der bröckelnden Mauer und einer schlaffen Italien-Fahne macht sie einen besonders tristen Eindruck. Nächste Station: Weltuntergang. Und dies ausgerechnet in heiligen Mauern, da wo so manche Menschen Trost suchen und Hoffnung schöpfen.

Da stellt sich die Frage: Kann Hoffnung motivieren? Oder ist Hoffnung die Basis für Motivation? Es kommt auch hier darauf an, aus welcher Perspektive man etwas betrachtet. Von Innen oder von Aussen. Der Frau in der Kirche empfehle ich, im Inneren zu suchen. Das Äussere, die Motivierung, funktioniert ja offensichtlich nicht. Sie soll sich irgendeine kleine Freude vor das geistige Auge zaubern und sich an etwas positives erinnern. Das muss nichts weltbewegendes sein. Da reicht schon ein Teller Pasta.

Basta.

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Oman? Oh Mann!

Ehrlich gesagt ist mir die arabische Kultur nicht sehr nahe. Datteln, Tee, Turbane, Dishdashas, Hidschabs, Nasen reiben und feilschen sind weniger mein Ding. In Moscheen fühle ich mich nicht zuhause und auf den belebten Märkten bin ich immer leicht im Stress. Ich versuche nämlich krampfhaft den Augenkontakt mit den Händlern zu vermeiden, denn sie könnten sonst Hoffnung schöpfen und mich ansprechen. Sorry – ich habe schon alles und Souvenirs sammle ich nicht. Und ich lasse mich auch nicht über den Tisch ziehen. Doch meine Frau wollte unbedingt einmal da hin und so war das Geburtstagsgeschenk vorerst auch eine Opfergabe.

„Was, du verbringst deine Ferien im Oman? Das ist doch gefährlich da unten! Die Araber – du weisst ja, IS und so. Ich würde da nicht hinfliegen..!“

Das sind die spontanen Reaktionen von Westlern. Von solchen, die Schweissausbrüche kriegen, wenn sie nur schon arabische Schriftzeichen sehen. Von denen, die sich gerne jammernd in der Komfortzone bewegen und sich hinter allgemeinen Überzeugungen tarnen. Von solchen, die lieber nachschwatzen als persönliche Erfahrungen machen.

So kam es, dass wir uns ins Abenteuer stürzten. Das ist allerdings eine sehr dramatische Darstellung, denn wir buchten ein tolles Hotel und leisteten uns einen privaten Guide. Entlang dem sauberen Meer führte uns Mohammed während fünf Tagen durch sein Heimatland: In die Berge mit 3000-ern und kühler Luft. Durch Süsswasser-Wadis und wilde Schluchten zu Souqs und Viehmärkten. In die fantastische Wüste im Hinterland und über charmante Hafenstädte zurück zum Hotel.

Mohammed ist 32 Jahre jung und hat keine Frau, weil er keinen „proper job“ hat. Er trinkt keinen Alkohol, raucht nicht und kann locker 12 Stunden am Stück schlafen. Er mag Datteln und Kaffee, hat 15 Kilo abgenommen und redet sehr gut Englisch. Er kennt keine Stereotypen – Menschen und Nationen sind für ihn einfach anders und grundsätzlich interessant. Er regt sich nicht auf. Mohammed kennt die Geschichte seines Landes, redet mit uns über Träume, Sultan Qaboos, den Schengenraum und Sex vor der Ehe. Und er fährt sehr behutsam mit seinem blitzblanken Toyota Landcruiser.

Mohammed als Husaini haben wir bereits nach einem Tag vermisst. Was für eine bereichernde Begegnung! Mit den Füssen im kühlen Wasser über Gott und Allah und die Propheten zu reden hat mir gut getan. (Keine Angst: Ich werde nicht konvertieren. Weil es für Agnostiker nichts zu konvertieren gibt.) Ich bin für diese Begegnung einfach dankbar, weil sie meine partiell verhärteten Konturen aufgeweicht hat. Es ist doch so: Jede Religion macht sich durch ihre Extremisten unbeliebt. Und jeder Glaube gibt vor allem Millionen von Menschen Hoffnung.

Einmal mehr kommen mir die genialen Worte von Gregory Bateson in den Sinn: „Weisheit entsteht, indem wir uns ehrlich zusammensetzen und unsere Unterschiede diskutieren, ohne die Intention, diese zu ändern“.

Shukran Mohammed.

Mohammed and me

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Zuerst denken, dann reden

Gestern hörte ich im Auto einen Radiobeitrag zum Thema „Altersarmut“. Im Auto kann ich besonders gut hinhören. Neben dem ganzen Experten- und Politikgedöns kamen auch Hörerinnen und Hörern zu Wort. Ein besonders bemerkenswerten Beitrag brachte eine ältere Dame: „Man hätte in jungen Jahren eigentlich etwas zurücklegen müssen.“ Aha. Wer so redet, denkt vermutlich auch so. Und wer so denkt, handelt letztlich nicht.

Schauen wir und das mal an:

„Man“ gibt es nicht. Es wird so häufig verwendet, um das „Ich“ zu schützen. „Man“ versteckt sich hinter der Allgemeinheit und distanziert sich unnötig von sich selbst.

„hätte“ bewegt nichts. Es ist ein Blick in den Rückspiegel und beurteilt eine Situation aus Distanz. „Später ist man immer klüger“ heisst ein altes Sprichwort. Tatsache ist: Damals hat sie eben nichts gespart und das hatte zu der Zeit bestimmt berechtigte Gründe.

„in jungen Jahren“ ist unspezifisch. In welchem Alter ist sparen möglich?

„eigentlich“ heisst gar nichts. Das Wort „eigentlich“ führt zu Unklarheit, Interpretationsspielraum und zur Abgabe der Verantwortung.

„etwas“ ist ebenfalls unspezifisch. Wieviel ist denn genügend? Auch hier zieht sich die Dame wieder aus der Verantwortung.

„müssen“ muss gar nichts. Können ist in diesem Fall besser, weil es die Fähigkeiten beschreibt. Doch offensichtlich hatte sie die nicht.

Konklusion:

Wer einfach daher redet hat seine Denke nicht im Griff. Sie oder er gibt den aufmerksamen Zuhörern ein (vermutlich) ungewünschtes Bild ab. Das Bild eines hilflosen Opfers.

 

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Blind walk

 

Die Treppe von unserem Wohngeschoss zum Eingangsgeschoss zählt 19 Tritte. Diese stieg ich vor kurzer Zeit zum ersten Mal mit geschlossenen Augen hinauf, sorgfältig abgezählt und ohne den Handlauf zu berühren. Ein unspektakuläres Experiment – eine banale Vertrauensübung. Einfach und… dennoch herausfordernd. Oben angekommen nicht zu zögern und einfach geradeaus weiter zu gehen, hat mich schon ein bisschen gefordert. Den Gedanken, dass da ja doch noch eine Stufe sein könnte, hätte ich gerne ausgeblendet. Doch das geht leider nicht. Ausblenden funktioniert nicht. Der Zweifel ist und bleibt im Raum. Er kann höchstens überlagert werden. Zum Beispiel durch Vertrauen. Durch die positive Vorstellung, dass der nächste Schritt sicher der Richtige ist. Und wenn es dann so ist, ist es ein Mini-Sieg. Dieses tolle Gefühl würde ich nicht erfahren, wenn ich kurz kritisch geblinzelt hätte.

Ob ich blind vertraue oder lieber mit offenen Augen nach Gefahren Ausschau halte, liegt an mir. Es ist meine Entscheidung. Und somit bin ich auch für das Resultat und meinen Gefühlszustand verantwortlich. „Wer wagt, gewinnt.“ Ich mag diesen Satz und entscheide mich dafür, auch weiterhin an ihn zu glauben.

Es gelingt mir heute schon locker, blind und sicher vom Sofa zur oberen Toilette zu gehen und mich dort – wie es sich gehört – hinzusetzen. Das bewegt zwar die grosse Welt nicht, doch meinen Mikrokosmos bereichert es, weil es ihn spannender macht.

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Frühlingsanfang

Der Geruch der Freiheit ist das, was einem in die Nase steigt, beinahe fassbar, wenn man entschlossen ist, sich zu erneuern, mit alten Mustern zu brechen.

Wenn man Bindungen loslässt und nicht mehr zu den ewig gleichen Machtspielen bereit ist.

Wenn man neue Situationen, vor welchen man sich immer gefürchtet hat, euphorisch angeht, wenn man verrückt ist nach Frühlingserwachen, nach Verliebtheit.

Wenn man mit leichtem Herzen Abschied nimmt, im Wissen darum, dass es nur Veränderung, nie Trennung gibt.

 

Ich weiss leider nicht, von wem diese Zeilen stammen. Vor einigen Jahren habe ich sie irgendwo gelesen und abgeschrieben. Gottseidank, denn diese wunderbare Prosa hat mich schon aus einigen Jammertälern geführt. Nicht nur im Frühling…

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