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Networking – wenn schon, denn schon!

Anfangs Jahr ist die perfekte Zeit um zu networken, bzw. nett zu worken. Das WEF hat den Anfang gemacht, viele Firmen und Organisationen ziehen im kleineren Rahmen nach. Jetzt sind die meisten Menschen am arbeiten und haben klare Ziele. Egal ob eigene oder übergestülpte – ohne Kundinnen und Kunden können sie diese nicht erreichen. Also auf in den Beziehungskampf. Für die einen ein Jammer, für die andern der Hammer. Es kommt darauf nur an, wie man es macht.

 

Events in der Zwangsanstalt

Es gibt Business-Veranstaltungen, auf denen nichts passiert, ausser dass Menschen in feinen Tüchern mit Namensschildern umherirren, sich gegenseitig die Hände schütteln und lächelnd Visitenkarten austauschen. Während dem stehen andere scheu herum und wissen nicht, wohin mit den Händen, Augen und überhaupt. Wir sehen zwei Kategorien: Die selbsternannten Profis, die sich gierig und mit klaren Zielen und Erfolgsabsichten auf solche Events stürzen. Und es hat auch Opfer, die geschickt wurden, die da sein müssen und denen es schon beim Wort ‚Networking‘ die Nackenhaare aufstellt. Alles bekannte, unschöne Bilder.

 

Events auf der Spielwiese

Sie können sich entspannen, denn es gibt eine lustvollere und nachhaltigere Art, die richtigen Netze zu knüpfen. Wer nicht auf sachliche Möglichkeiten oder Potenziale fokussiert, die der ausgesuchte Anlass bietet, sondern einfach möglichst vielen Menschen auf gute Art begegnet, ist stressfreier und lernt mehr. Begeben Sie sich auf die ‚Spielwiese Mensch‘! Das macht Spass, ist weniger anstrengend und wird Ihnen eines Tages mehr nützen, als wenn Sie verkrampft und nur nach Knigge akquirieren. Werden Sie Teil eines schönen, harmonischen Originals.

 

Die gute Art

Wer neugierig, ehrlich und ohne Druck fragt, sammelt die wertvollsten Informationen: Werte, Haltung, Erfahrungen, Leidenschaften, Vorlieben und Ablehnungen. Diskussionen und Diskurse sind an solchen Anlässen falsch am Platz, zielführend ist die Suche nach Gemeinsamkeiten. Auch hier heisst der Schlüssel zum Erfolg ‚Anpassungsfähigkeit‘. Dazu ist es erforderlich, das Gegenüber wahr zu nehmen und sich selbst zurück zu stellen. Es ist doch so: Sympathisch ist, wer bescheiden ist. Interessant bleibt, wer sich interessiert. Geben Sie von sich nur Stück für Stück preis, nicht zu früh.

 

Golf spielen allein hilft nicht

Auch wenn der Chef der Meinung ist, dass auf dem Golfplatz Geschäfte viel einfacher zu machen sind – seien Sie vorsichtig! Übereifrige Neugolfer sind nicht unbedingt beliebt. Vor allem nicht, wenn sie bereits beim 3. Loch Visitenkarten tauschen (oder noch besser: Broschüren abgeben!) wollen. Spätestens dann fliegt die Tarnung auf. Tun Sie nur das, was Sie wirklich gern tun – dann werden Sie auch gut darin. Und werden damit ein Partner auf Augenhöhe.

 

Der Serendipity-Effekt

Netzwerke stecken voller ungeahnter Möglichkeiten und Überraschungen. Es gibt auch schicksalhafte Begegnungen oder Entdeckungen, die nicht beim ersten Treffen erkannt werden können. Damit also eine gemeinsame Zukunft eine gute Chance hat, ist es wichtig, ohne spezielle Absicht zu handeln. Wer intelligente Schlussfolgerungen zieht, mit den richtigen Leuten zur richtigen Zeit offen über Ideen und Projekte spricht, wird eines Tages vom glücklichen Zufall belohnt.

 

In diesem Zusammenhang fällt oft der Satz ‚Der Zufall begünstigt nur einen vorbereiteten Geist‘. Die Entdeckung kommt, wenn jemand viel und ungezwungen daran gearbeitet hat. Sie fällt ihm dann zu. Zufall hin oder her.

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Katzenjammer

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Ich glaube nicht an Reinkarnation und solche Dinge. Dennoch frage ich mich hin und wieder – einfach so als Gedankenspiel – als was ich im nächsten Leben (falls es das eben gäbe) geboren werden möchte.

Ich weiss es.

Als Katze. Als meine Katze. Als meine Katze in meinem Haus in ländlicher Umgebung. Ich meine – perfekter kann man es ja nicht haben.

  • Immer Fressen. Das Trockenfutterschälchen ist wie von Zauberhand permanent gefüllt, frisches Wasser ist gegeben, hin und wieder gibt es eine Knabberstange oder gar etwas Nassfutter und selbstverständlich regelmässig ein grosszügiges, rohes Muster vom Poulet, Kalbsplätzli, Fisch oder Entrecôte – je nachdem was die Herrschaften sich selber genehmigen. Und die Parfait-Tube im Kühlschrank ist für  für die extremen Notfälle allzeit bereit.
  • Immer Unterschlupf. Hier ein Körbchen, da eine Decke, dort irgendetwas. Wo Katzen sich auch hinlegen – es scheint immer bequem und temporär perfekt zu sein.
  • Immer Liebe. Sie brauchen nur ein wenig zu schnurren und um Menschenbeine zu streichen (meistens genügt ja bereits nur schon die Anwesenheit) und es gibt Instant- Streicheleinheiten, nette Sing-Sang-Kosenamen und viel menschliche Wärme.
  • Immer Abwechslung. Die Neugierde von Katzen ist grenzenlos. Und unsere Umgebung ist ein diesbezügliches Paradies: Wiesen, Felder, Büsche, ein Bach, Bäume, Ställe, Mäuse, Hühner, Kälber, Ziegen, Vögel, Grillen, Spinnen, usw. Somit ist es Ihnen nicht langweilig. Und wenn, dann nur für ein paar Sekunden – bis sie schlafen.
  • Nie Sorgen. Nie Sorgen?

Doch.

Katzen verhungern nach ihrem Empfinden rund fünf bis zehn mal am Tag. Jedes Geräusch, das ans Öffnen einer Verpackung von irgend etwas Essbarem erinnert, triggert in ihnen sämtliche Alarmglocken. Nach einer Zehntelsekunde erwachen sie und nach einer halben Sekunde stehen sie laut jammernd vor einem.  „Haaalt – was ist das? Ich komme zu spät, zu kurz, zu was-auch-immer! Gib!!“

Fuck you.

In dem Moment möchte ich keine Katze sein. Weil sie nicht entscheiden kann. Ich schon. Traratrara zum Kühlschrank, reinschauen, abwägen, entscheiden, rausnehmen, öffnen, geniessen. Geil. Ich am Steuerknüppel.

Entscheidungsfreiheit.

Wenn es ein Leben nach dem Leben gibt, dann bestelle ich hiermit beim Universum wieder ein Ähnliches. Es ist schon unglaublich, wie gut es uns allen geht.

Wenn man so denkt.

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TMI – Too Much Information

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Ich liebe frische Feigen. Die älteste Frucht der Erde ist honigsüß, saftig, kalorienarm und gesund. Sie liefert neben Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen auch eine gute Portion Vitamine sowie verdauungsfördernde Enzyme und sättigende Ballaststoffe.

Das wäre ja alles perfekt – wenn nur nicht mein Sohn mir gestern Abend erzählt hätte, dass in jeder Feige eine tote Wespe steckt. Hat er aber. Und ich habe jetzt ein Problem. Nicht weil ich Vegetarier oder Veganer wäre. Nein, ich bringe einfach die Bilder nicht mehr aus meinem Kopf und das mulmige Gefühl nicht mehr aus meinem Mund.

Als mein Sohn weg war, habe ich natürlich sofort recherchiert. In der Hoffnung, er sei nur einem Ernährungsmärchen aufgesessen. Ist er aber nicht. Er hatte recht, verdammt nochmal. Ich habe gelesen: „Ein Weibchen, das zuvor die Pollen einer männlichen Bocksfeige aufgenommen hat, kriecht durch eine enge Röhre in die nach innen gekehrte Blüte der Essfeige, um dort seine Eier abzulegen. Dabei verliert es seine Flügel. Die Folge: Das 2-3 Millimeter große Tier stirbt in der Blüte und wird von den Pflanzenenzymen verdaut.“

Uuaaarrrggghhh! Flügel verlieren, Eier ablegen, sterben, verdaut werden – so habe ich mir das bis anhin nicht vorgestellt. Und möchte es auch weiterhin nicht! Denn (eigentlich) liebe ich Feigen, bzw. möchte Feigen weiterhin lieben können.

„Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss.“ Ein altes Sprichwort, welches bei den radikalen Transparenzvertretern nicht gut ankommt. Das ist mir allerdings jetzt gerade ziemlich Wurst (ok, da möchte man auch nicht genau wissen, was drin ist) – ich möchte einfach zurück in die alte Welt. Kann ich aber nicht, weil sich die Information in meinem Hirn eingenistet hat. So wie Wespeneier in Feigen.

 

 

 

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Ernährung, Glaubenssätze, Lebenshilfe, Ratgeber, Realität

Spüren anstatt glauben

An dieser Stelle ein äusserst interessanter Artikel des Ernährungswissenschaftlers Uwe Knop, den ich auf XING entdeckt habe.

 

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Ernährungsforschung gleicht dem Lesen einer Glaskugel. Klingt hart, aber muss man obektiv-ideolgiefrei so sehen. Warum, das erklären jetzt 20 Wissenschaftler, deren Einzelstatements schon eindeutig unzweideutig sind. In Zusammenhang gebracht wird klar: Es kann hier keine zwei Meinungen geben. Das sehen die zahlreichen powersellenden Ernährungspäpste & päpstinnen natürlich ganz anders. Es wird Zeit, die wild blubbernden postfaktischen Filterblasen ganz schnell zum Platzen zu bringen. 

Der desolate Zustand ökotrophologischer Forschung ist in der Fachwelt schon lange bekannt. So erklärte der Direktor des deutschen Cochrane-Zentrums, das die Qualität wissenschaftlicher Studien bewertet, Prof. Gerd Antes bereits 2011: „Die Ernährungswissenschaften sind in einer bemitleidenswerten Lage. Studien in diesem Bereich sind von vielen unbekannten oder kaum messbaren Einflüssen abhängig. Deswegen gibt es immer wieder völlig widersprüchliche Ergebnisse.“ Nur ein Jahr später ergänzte sein „Studienbewertungskollege“ vom staatlichen IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen), Dr. Klaus Koch, zur Kernschwäche von Ernährungs-Beobachtungsstudien: „Epidemiologische Studien können normalerweise keine Beweise liefern. Punkt.“ Daher ist für Prof. Gabriele Meyer, ehemalige Vorsitzende des DNEbM e.V. (Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin) und aktuell Mitglied im Sachverständigenrat von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, klar: „Beobachtungsstudien sind nicht geeignet, präventive oder therapeutische Empfehlungen abzuleiten.“ Meyers Nachfolgerin als Vorsitzende des DNEbM e.V., Prof. Ingrid Mühlhauser, Gesundheitswissenschaftlerin an der Uni Hamburg, erklärte Mitte 2016: „Beobachtungen, auch groß angelegte, sind keine ausreichende Grundlage für eine moderne Medizin.“ Einer der Gründe: Beobachtungsstudien liefern ausschließlich Korrelationen (statistische Zusammenhänge), jedoch niemals Kausalitäten (Ursache-Wirkungs-Beziehungen/Beweise). „Zusammenhänge zu beobachten heißt noch nicht, Ursachen zu erkennen“, so Mühlhäuser. Im Forschungsfeld Ernährung sieht es 2017 so aus: „Im Moment ist eine ganz große Korrelationsära in diesem Feld – und die Tatsache, dass es korrelativ ist, bedeutet, dass man eigentlich sehr wenig sagen kann“, so Prof. Dirk Haller, Leiter Lehrstuhl für Ernährung und Immunologie am Wissenschaftszentrum Weihenstephan (WZW).

Eine weitere Million Beobachtungsstudien bringt: Nichts!

Auch in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen wurde jüngst immer wieder auf die systemimmanente Kernschwäche der Ernährungsforschung hingewiesen: Viele ihrer Ergebnisse seien „völlig unglaubwürdig“ – und auch eine „weitere Million Beobachtungsstudien“ würde keine endgültigen Lösungen liefern. Aufgrund zahlreicher Schwächen dieser Untersuchungen werden Politiker zu „größerer Vorsicht bei Ernährungsempfehlungen“ angemahnt, da diese primär auf Beobachtungsstudien basieren, die nicht durch klinische Studien bestätigt wurden. Prof. Peter Nawroth, Direktor Innere Medizin, Universitäts-Klinikum Heidelberg konstatiert klar, dass bei keinem Patienten mit Diabetes, Krebs oder Herzkreislauf-Erkrankungen ein Arzt diagnostizieren könne: „Sie haben zu wenig Obst und Gemüse gegessen“ oder „Sie haben zu viel Fleisch gegessen und zuviel Fruchstsaft getrunken“. Das sei nicht möglich. „Ein kausaler Rückschluss der Erkrankungsgeschichte auf ein spezielles Essverhalten ist nur in extremen Einzelfällen möglich, in der Regel lässt sich dazu nichts sagen“, erklärt Nawroth. Auch eine „Vorbeugung von Volkskrankheiten mittels spezieller Ernährungsempfehlungen“ durch Ärzte sei medizin-ethisch nicht vertretbar, denn dafür fehlten die wissenschafltichen Belege.

„Nicht genügend wissenschaftliche Evidenz“

Dementsprechend war es nur eine Frage der Zeit, bis im Februar 2016 Prof. Peter Stehle, Präsidiumsmitglied der DGE e.V. (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) öffentlich offenbarte, dass die Ernährungsforscher ein Problem haben: „Wir können nicht genügend wissenschaftliche Evidenz liefern.“ Denn das sei „tatsächlich schwierig, das Liefern von Belegen.“ Die beobachteten Ergebnisse der Ernährungsforschung seien daher „argumentativ natürlich sehr, sehr schwach. Aber das war immer so und wird so bleiben.“ Denn zu diesen Studien, die harte Evidenz, also Beweise für beispielsweise gesunde Ernährung liefern, erklärt Stehle: „Solche Interventionsstudien wird es nie geben.“ Auch auf die Frage, wie hoch der Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit (Verfassung) ist, spricht Stehle Klartext: „Das lässt sich nicht quantifizieren. Niemand weiß das.“ Sein Kollege Prof. Manfred J. Müller, ehemaliger Leiter des Instituts für Humanernährung an der Universität zu Kiel erläutert en Detail: „Kein Wissenschaftler kann Ernährung genau messen. Das wiederum bedeutet: Alle in den letzten 20 bis 30 Jahren publizierten Beobachtungsstudien zu den Zusammenhängen zwischen Ernährung und Gesundheit/Krankheit waren und sind fragwürdig. Es könnte also sein, es könnte aber auch nicht sein. Wenn diese Ergebnisse dann in die Öffentlichkeit gelangen, dann ist das sehr schade, denn: Diese Ergebnisse besagen ja nichts.“ Einer der vehementesten Kritiker der „Glaskugel“ Ernährungsforschung ist Prof. John P. Ioannidis, Stanford University, der im August 2018 Klartext redete: Ernährungsstudien seien voll von methodischen Mängeln und daher nicht aussagekräftig. Ergo empfiehlt er den Autoren von Ernährungsstudien: Nochmals von vorn anfangen!

„Gesunde Ernährung? Kann man nicht so genau definieren“

Ach wie gut, dass jemand weiß, warum das niemand weiß – so erklärte der wissenschaftliche Vorstand des DIfE (Deutsches Institut für Ernährungsforschung), Prof. Tilman Grune, im August 2016: „Gesunde Ernährung kann man gar nicht so genau definieren.“ Sein Kollege Prof. Achim Bubvom Max-Rubner-Institut (MRI), dem Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe, stellte nur einen Monat später klar: „Wir wissen herzlich wenig über Ernährung.“ Dr. Walter Burghardt, Ernährungsmediziner am Universitätsklinikum Würzburg und Vorstandsmitglied im Bundesverband deutscher Ernährungsmediziner konkretisierte kurz danach: „Wissen wir denn tatsächlich so genau, was wir brauchen? So weit ist die Medizin noch nicht.“ Dieses Kernproblem des „fehlenden Wissens“ ist grenzübergreifend bekannt und benannt: „Einerseits wird ständig propagiert, wie wichtig eine gesunde Ernährung ist. Auf der anderen Seite hat die Ernährungswissenschaft bis heute keine schlüssigen Studien für die optimale Ernährung vorgelegt“, mahnte Prof. Jürgen König, Leiter Ernährungswissenschaften, Universität Wien im Oktober 2016. Sein österreichischer Kollege Prof. Gerald Gartlehner, Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin (EbM) der Donau-Uni Krems, erklärt die zwei wesentlichen Gründe für diesen Mangel an schlüssigen Studien: „Gute Ernährungsstudien sind sehr schwierig durchzuführen, da viele unterschiedliche Faktoren einen Einfluss haben und das Ergebnis verzerren können. Wir wissen etwa, dass Menschen, die sich ausgewogen ernähren, auch eher Sport treiben und mehr auf ihre Gesundheit achten. Zudem fehlt es in diesem Bereich an finanzieller Power.“ Und so fragte die FAZ zu Recht: Was ist denn nun wirklich ein gesundes Essen für den Normalbürger? „Tatsächlich weiß das auch heute niemand“, erklärte der Ernährungsmediziner Prof. Hans Konrad Biesalski von der Universität Hohenheim im September 2017.

„Folgen Sie dem Gespür für den eigenen Körper“

Dementsprechend dünn ist auch das Fazit zu gesunder Ernährung von Experten der Hochschule Fulda: So erklärt Prof. Christoph Klotter: „Meiner Meinung nach kann heutzutage ohnehin keine allgemeine Ernährungsempfehlung mehr ausgesprochen werden. Jeder Organismus verstoffwechselt Nahrung unterschiedlich.“ Und weiter: „Es ist schwierig, genau zu sagen, was gesunde Ernährung ausmacht und was nicht. Viele vermeintliche Erkenntnisse sind ins Schwanken geraten … Daher können wir nicht sagen, was alle Menschen unbedingt zu sich nehmen sollen.“ Für Haller ist es daher das „Gebot der Stunde“, überhaupt keine spezifischen Ratschläge in Sachen gesunder Ernährung zu geben. Statt Regeln empfiehlt Klotter: „Wenn jeder für sich herausfindet, was gut für ihn ist, finde ich das fantastisch.“ Seine Fuldaer Hochschulkollegin Kollegin Prof. Jana Rückert-John, ergänzt: „Was am Ende dann bleibt, ist sich ausgewogen zu ernähren.“ Dabei solle man von allem essen und die „Lust und den Spaß am Essen im Zuge des ganzen Gesundheitswahns nicht verlieren.“ Wie einfach das geht, erläuterte Dr. Margareta Büning-Fesel, Vorstand des aid infodiensts und Leiterin des von Bundesminister Christian Schmidt 2017 eröffneten „Bundeszentrum für Ernährung“, im Mai 2016: „Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch in der Lage ist, die für ihn beste Ernährung für sich zu entdecken. In erster Linie sollte man dabei seinem Geschmack folgen. Und dem Gespür für den eigenen Körper.“ Im März 2017 ergänzte Büning-Fesel die eigentliche Gretchenfrage und „die sollte sein: Was ist gut für mich – und was nicht?“ Hingegen sollten „gesundheitsbezogene Aussagen über Ernährung stets mit einer gesunden Portion Skepsis betrachtet werden“, so Dr. Rainer Spenger, Geschäftsführer des österreichischen Vereins für Konsumenteninformation (VKI). Prof. König bringt es Ende Mai 2017 auf den Punkt: „Wer ein bisschen über seine Ernährung nachdenkt, braucht keine Ernährungspyramide, sondern nur den gesunden Hausverstand.“ Seine Schweizer Kollegin, Prof. Christine Brombach, ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, liefert dazu die passende praktische Empfehlung: „Essen Sie, was Sie wollen, aber in vernünftigen Mengen.“

Das (vor)letzte Wort gebührt SPD-„Gesundheitsminister in spe“ Prof. Dr. Karl W. Lauterbach, der im März 2017 auf die Frage eines WDR5-Reporters, ob man sagen könne, „Die einzig sinnvolle Ernährung, die gibt es nicht?“ antwortete: „Das kann man auf jeden Fall sagen. Das ist klar.“ Dem stimmt Prof. Klotter umissverständlich zu: „Es gibt nicht die eine richtige Ernährung  für alle.“

In diesem Sinne folgt nun abschließend ein „ökotrophologisch adaptiertes“ Zitat des Philosophen Paul Watzlawick:

Es gibt so viele gesunde Ernährungen, wie es Menschen gibt, denn: Jeder Mensch is(s)t anders.

Vertrauen Sie beim Essen daher intuitiv auf Ihre ganz individuellen Gefühle Hunger, Lust, Sättigung und vor allem Verträglichkeit. Denn: Wie kann etwas gesund für Sie sein, das Ihnen nicht schmeckt und das sie schlecht vertragen?

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Oman? Oh Mann!

Ehrlich gesagt ist mir die arabische Kultur nicht sehr nahe. Datteln, Tee, Turbane, Dishdashas, Hidschabs, Nasen reiben und feilschen sind weniger mein Ding. In Moscheen fühle ich mich nicht zuhause und auf den belebten Märkten bin ich immer leicht im Stress. Ich versuche nämlich krampfhaft den Augenkontakt mit den Händlern zu vermeiden, denn sie könnten sonst Hoffnung schöpfen und mich ansprechen. Sorry – ich habe schon alles und Souvenirs sammle ich nicht. Und ich lasse mich auch nicht über den Tisch ziehen. Doch meine Frau wollte unbedingt einmal da hin und so war das Geburtstagsgeschenk vorerst auch eine Opfergabe.

„Was, du verbringst deine Ferien im Oman? Das ist doch gefährlich da unten! Die Araber – du weisst ja, IS und so. Ich würde da nicht hinfliegen..!“

Das sind die spontanen Reaktionen von Westlern. Von solchen, die Schweissausbrüche kriegen, wenn sie nur schon arabische Schriftzeichen sehen. Von denen, die sich gerne jammernd in der Komfortzone bewegen und sich hinter allgemeinen Überzeugungen tarnen. Von solchen, die lieber nachschwatzen als persönliche Erfahrungen machen.

So kam es, dass wir uns ins Abenteuer stürzten. Das ist allerdings eine sehr dramatische Darstellung, denn wir buchten ein tolles Hotel und leisteten uns einen privaten Guide. Entlang dem sauberen Meer führte uns Mohammed während fünf Tagen durch sein Heimatland: In die Berge mit 3000-ern und kühler Luft. Durch Süsswasser-Wadis und wilde Schluchten zu Souqs und Viehmärkten. In die fantastische Wüste im Hinterland und über charmante Hafenstädte zurück zum Hotel.

Mohammed ist 32 Jahre jung und hat keine Frau, weil er keinen „proper job“ hat. Er trinkt keinen Alkohol, raucht nicht und kann locker 12 Stunden am Stück schlafen. Er mag Datteln und Kaffee, hat 15 Kilo abgenommen und redet sehr gut Englisch. Er kennt keine Stereotypen – Menschen und Nationen sind für ihn einfach anders und grundsätzlich interessant. Er regt sich nicht auf. Mohammed kennt die Geschichte seines Landes, redet mit uns über Träume, Sultan Qaboos, den Schengenraum und Sex vor der Ehe. Und er fährt sehr behutsam mit seinem blitzblanken Toyota Landcruiser.

Mohammed als Husaini haben wir bereits nach einem Tag vermisst. Was für eine bereichernde Begegnung! Mit den Füssen im kühlen Wasser über Gott und Allah und die Propheten zu reden hat mir gut getan. (Keine Angst: Ich werde nicht konvertieren. Weil es für Agnostiker nichts zu konvertieren gibt.) Ich bin für diese Begegnung einfach dankbar, weil sie meine partiell verhärteten Konturen aufgeweicht hat. Es ist doch so: Jede Religion macht sich durch ihre Extremisten unbeliebt. Und jeder Glaube gibt vor allem Millionen von Menschen Hoffnung.

Einmal mehr kommen mir die genialen Worte von Gregory Bateson in den Sinn: „Weisheit entsteht, indem wir uns ehrlich zusammensetzen und unsere Unterschiede diskutieren, ohne die Intention, diese zu ändern“.

Shukran Mohammed.

Mohammed and me

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Blind walk

 

Die Treppe von unserem Wohngeschoss zum Eingangsgeschoss zählt 19 Tritte. Diese stieg ich vor kurzer Zeit zum ersten Mal mit geschlossenen Augen hinauf, sorgfältig abgezählt und ohne den Handlauf zu berühren. Ein unspektakuläres Experiment – eine banale Vertrauensübung. Einfach und… dennoch herausfordernd. Oben angekommen nicht zu zögern und einfach geradeaus weiter zu gehen, hat mich schon ein bisschen gefordert. Den Gedanken, dass da ja doch noch eine Stufe sein könnte, hätte ich gerne ausgeblendet. Doch das geht leider nicht. Ausblenden funktioniert nicht. Der Zweifel ist und bleibt im Raum. Er kann höchstens überlagert werden. Zum Beispiel durch Vertrauen. Durch die positive Vorstellung, dass der nächste Schritt sicher der Richtige ist. Und wenn es dann so ist, ist es ein Mini-Sieg. Dieses tolle Gefühl würde ich nicht erfahren, wenn ich kurz kritisch geblinzelt hätte.

Ob ich blind vertraue oder lieber mit offenen Augen nach Gefahren Ausschau halte, liegt an mir. Es ist meine Entscheidung. Und somit bin ich auch für das Resultat und meinen Gefühlszustand verantwortlich. „Wer wagt, gewinnt.“ Ich mag diesen Satz und entscheide mich dafür, auch weiterhin an ihn zu glauben.

Es gelingt mir heute schon locker, blind und sicher vom Sofa zur oberen Toilette zu gehen und mich dort – wie es sich gehört – hinzusetzen. Das bewegt zwar die grosse Welt nicht, doch meinen Mikrokosmos bereichert es, weil es ihn spannender macht.

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