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Unsinnige Überzeugungen


Das Leben soll am Ende der Komfortzone beginnen? Ah ja? Und was ist mit all den Menschen, die sich in ihrer Komfortzone wohl fühlen?  Sind die tot?

Neale Donald Walsch  ist ein US-amerikanischer Autor religiös-spiritueller Bücher und bringt solchen Schrott in Umlauf. Und was passiert? Tausende von unreflektierten Motivationsjüngern finden diesen Spruch wahnsinnig toll, überlegen nix, verbreiten ihn in sozialen Medien und auf Postkartenständern und schwupp – geht ein neuer Glaubenssatz viral.

Glaubenssätze sind Generalisierungen über verschiedene Aspekte der Welt und sollten unbedingt auf ihre Allgemeingültigkeit und ihren Nutzen geprüft werden. Für das Unterbewusstsein sind Glaubenssätze absolut wahr. Sie heissen Glaubenssätze (Englisch: beliefs), weil es Sätze sind, an die man glaubt. Man nennt sie umgangssprachlich auch Überzeugungen.

Glaubenssätze sind verinnerlichte Bestätigungen, basieren auf eigenen Erfahrungen und… vor allem auch auf den Erfahrungen und Meinungen anderer. Da wird es besonders heikel! Glaubenssätze sind nämlich weder wahr noch falsch. Aber sie leiten unser Leben und bestimmen über Erfolg oder Misserfolg, weil sie das Fühlen, Denken und Handeln steuern. Sie wirken immer, Sekunde um Sekunde.

Glaubenssätze steuern das Selbstwertgefühl, das berufliche Umfeld, Beziehungen zu Lebenspartnern, Kollegen und Vorgesetzten, den Umgang mit dem Körper, die Lebenseinstellung und den Lebenssinn. Positive Glaubenssätze sind kraftvolle Energien, die für einen arbeiten. Destruktive Glaubenssätze sind dagegen wie Sand im Getriebe. Glaubenssätze sind nichts anderes als Programme – demzufolge kann man sie auch löschen oder verändern. Man kann sich also selbst programmieren.

„Life begins at the end of your comfort zone“ ist keine schlaue Überzeugung. Denn das würde bedeuten, dass ich nur lebe, wenn ich Angst habe, lerne oder wachse. Bullshit.

Ähnlich unsinnig ist der Glaubenssatz „Ohne Fleiss kein Preis“. Das führt dazu, dass immer mehr Menschen auch in der Freizeit dauernd das Gefühl haben, etwas leisten zu müssen. Dann verlassen sie ihre gemächliche Routine, ihr lieben Gewohnheiten, verlieren die Kontrolle und werden Unsicher. Und das nennt sich dann „Leben“?

Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in die Fallen der Trimm-Psychologen treten und solche Plattitüden ohne zu hinterfragen einfach weiterverbreiten. Diese dünnschichtigen Lebensweisheiten sehen auf den ersten Augenblick zwar cool aus, zugegeben. Vor allem auf Stossdämpfern von überdimensionierten Pick-Ups, neben einem Herbalife-Sticker auf dem Hyundai oder – ganz originell – als Hintergrundbild auf Facebook.

Für alle, die wirklich etwas bewegen wollen, gibt es hier sieben wertvolle Überzeugungen:

  1. Alles geschieht aus einem Grund, hat einen Sinn und bringt mich weiter.
  2. Es gibt keinen Misserfolg, es gibt nur Resultate.
  3. Ich bin verantwortlich für was auch immer mit mir passiert.
  4. Es ist nicht notwendig alles zu verstehen, um es effektiv einsetzen zu können.
  5. Menschen sind das grösste Kapital.
  6. Arbeit ist Spiel.
  7. Es gibt keinen bleibenden Erfolg ohne echte Verpflichtung.

Viel Spass!

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Motivation

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Diese Aufnahme habe ich im Frühling in Sizilien gemacht. Spontan kam mir dabei „Motivation“ in den Sinn.

Zum ersten mal habe ich das Wort „Motivation“ als junger Mann im Militärdienst gehört.  „Motivieren Sie endlich Ihre Gruppe!“ forderte der junge Leutnant den noch jüngeren Wachtmeister auf. Obwohl ich das Wort bis anhin nicht kannte, begriff ich die Bedeutung sofort und fand damals, dass es sich recht intelligent anhört.

Vor Jahren kam mir das Buch Mythos Motivation von Reinhard K. Sprenger in die Finger. Sprenger unterscheidet zwischen Motivation und Motivierung. Motivation kommt von Innen, Motivierung von Aussen. „Alles Motivieren ist Demotivieren“ – das ist eine interessante Erkenntnis und für viele Führungspersonen zugleich eine provokative Aussage. Jedenfalls ist das Buch auch nach 26 Jahren aktuell und äusserst lesenswert.

Die Frau in der Kirche. Viel Motivation scheint hier nicht vorhanden zu sein. Vor dem Hintergrund der bröckelnden Mauer und einer schlaffen Italien-Fahne macht sie einen besonders tristen Eindruck. Nächste Station: Weltuntergang. Und dies ausgerechnet in heiligen Mauern, da wo so manche Menschen Trost suchen und Hoffnung schöpfen.

Da stellt sich die Frage: Kann Hoffnung motivieren? Oder ist Hoffnung die Basis für Motivation? Es kommt auch hier darauf an, aus welcher Perspektive man etwas betrachtet. Von Innen oder von Aussen. Der Frau in der Kirche empfehle ich, im Inneren zu suchen. Das Äussere, die Motivierung, funktioniert ja offensichtlich nicht. Sie soll sich irgendeine kleine Freude vor das geistige Auge zaubern und sich an etwas positives erinnern. Das muss nichts weltbewegendes sein. Da reicht schon ein Teller Pasta.

Basta.

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Zuerst denken, dann reden

Gestern hörte ich im Auto einen Radiobeitrag zum Thema „Altersarmut“. Im Auto kann ich besonders gut hinhören. Neben dem ganzen Experten- und Politikgedöns kamen auch Hörerinnen und Hörern zu Wort. Ein besonders bemerkenswerten Beitrag brachte eine ältere Dame: „Man hätte in jungen Jahren eigentlich etwas zurücklegen müssen.“ Aha. Wer so redet, denkt vermutlich auch so. Und wer so denkt, handelt letztlich nicht.

Schauen wir und das mal an:

„Man“ gibt es nicht. Es wird so häufig verwendet, um das „Ich“ zu schützen. „Man“ versteckt sich hinter der Allgemeinheit und distanziert sich unnötig von sich selbst.

„hätte“ bewegt nichts. Es ist ein Blick in den Rückspiegel und beurteilt eine Situation aus Distanz. „Später ist man immer klüger“ heisst ein altes Sprichwort. Tatsache ist: Damals hat sie eben nichts gespart und das hatte zu der Zeit bestimmt berechtigte Gründe.

„in jungen Jahren“ ist unspezifisch. In welchem Alter ist sparen möglich?

„eigentlich“ heisst gar nichts. Das Wort „eigentlich“ führt zu Unklarheit, Interpretationsspielraum und zur Abgabe der Verantwortung.

„etwas“ ist ebenfalls unspezifisch. Wieviel ist denn genügend? Auch hier zieht sich die Dame wieder aus der Verantwortung.

„müssen“ muss gar nichts. Können ist in diesem Fall besser, weil es die Fähigkeiten beschreibt. Doch offensichtlich hatte sie die nicht.

Konklusion:

Wer einfach daher redet hat seine Denke nicht im Griff. Sie oder er gibt den aufmerksamen Zuhörern ein (vermutlich) ungewünschtes Bild ab. Das Bild eines hilflosen Opfers.

 

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Blind walk

 

Die Treppe von unserem Wohngeschoss zum Eingangsgeschoss zählt 19 Tritte. Diese stieg ich vor kurzer Zeit zum ersten Mal mit geschlossenen Augen hinauf, sorgfältig abgezählt und ohne den Handlauf zu berühren. Ein unspektakuläres Experiment – eine banale Vertrauensübung. Einfach und… dennoch herausfordernd. Oben angekommen nicht zu zögern und einfach geradeaus weiter zu gehen, hat mich schon ein bisschen gefordert. Den Gedanken, dass da ja doch noch eine Stufe sein könnte, hätte ich gerne ausgeblendet. Doch das geht leider nicht. Ausblenden funktioniert nicht. Der Zweifel ist und bleibt im Raum. Er kann höchstens überlagert werden. Zum Beispiel durch Vertrauen. Durch die positive Vorstellung, dass der nächste Schritt sicher der Richtige ist. Und wenn es dann so ist, ist es ein Mini-Sieg. Dieses tolle Gefühl würde ich nicht erfahren, wenn ich kurz kritisch geblinzelt hätte.

Ob ich blind vertraue oder lieber mit offenen Augen nach Gefahren Ausschau halte, liegt an mir. Es ist meine Entscheidung. Und somit bin ich auch für das Resultat und meinen Gefühlszustand verantwortlich. „Wer wagt, gewinnt.“ Ich mag diesen Satz und entscheide mich dafür, auch weiterhin an ihn zu glauben.

Es gelingt mir heute schon locker, blind und sicher vom Sofa zur oberen Toilette zu gehen und mich dort – wie es sich gehört – hinzusetzen. Das bewegt zwar die grosse Welt nicht, doch meinen Mikrokosmos bereichert es, weil es ihn spannender macht.

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Sprichwörter und Co.

Irgendwann in den letzten Jahren habe ich zum Geburtstag ein Buch erhalten: „Alter spielt keine Rolle – ausser man ist ein Rotwein.“ Mit 222 Sprüchen für Junggebliebene . Danke… aus Anstand. Dummerweise steht keine Widmung drin. Ich weiss also nicht, von wem ich es bekommen habe und begebe mich hiermit auf Glatteis, wenn ich oute, dass ich es säuerlich lächelnd und ungelesen ins Bücherregal gestellt habe. Bis ich heute – zufälligerweise – wieder darauf gestossen bin, es heraus gezogen und mir den Inhalt angeschaut habe. Rein zufällig, random-mässig, versteht sich. Irgendwo aufgeschlagen, Finger rein, und zack!

Mark Twain (1835-1910): „Ich bin ein alter Mann und habe viele Sorgen kennengelernt – aber die meisten von ihnen sind nie Wirklichkeit geworden.“ Danke… diesmal von Herzen! Ein perfekter Anti-Jammer-Satz! Ist es nicht so, dass Jammern in unseren Zukunfts-Szenarien zu viel Raum einnimmt? Was wissen wir denn schon im Voraus? Und weshalb verdienen negative Gedanken Nahrung? Nonsens.

„Cross the bridge when you get there“ ist eine lohnenswerte Einstellung. Keine Ahnung, wer das mal gesagt hat – die Person steht für mich jedenfalls auf gleicher Höhe wie Twain. Und der würde wahrscheinlich auch meinen: „Exactly – that’s what i meant.“

Learning:

Weisheiten, Erklärungen und Lebensrezepte finden sich überall. Es ist eine Frage der persönlichen Offenheit, auch Zufällen eine Chance zu geben.

 

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