„Knappheit“, so zitiert mein Kollege Dani Nieth in seinem letzten Beitrag gängigen Ansichten der Volks- und Betriebswirtschaftler „schafft Begehrlichkeit eines Gutes“. Das Zitat liest sich gut und behauptet doch gleichzeitig Unsinn. Denn knapp sind ja zum Beispiel auch meine Videos, die ich bei Youtube einstelle und nur sehr wenige begehren sie zu sehen. Knappheit ist außerdem oft Resultat ausschweifender Nutzung. Wenn das Trinkwasser demnächst zum knappen Gut erklärt wird, dann auch deswegen, weil wir es zum reinschei…., kühlen, verdrecken, versalzen etc.. benutzt haben. Es war nicht knapp, wurde aber knapp gemacht. So gesehen gibt es gar keine knappen Güter, sondern nur verknappte und auch das steigert die Begierlichkeit nur bei sehr wenigen. Gerade lese ich einen Werbespot: „Zu Ostern gibt es eine Nacht gratis!“ Da wundere ich mich sehr, denn für eine Nacht hatte ich noch nie etwas bezahlt, die kam bisher nach jedem Tag. NEIN! Wir wissen nicht, was gemeint ist! Es KANN ein Hotelzimmer sein, eine Autovermietung, eine Werkzeugvermietung, ein Schwimmbecken, ein Vorleser, ein Kino, ein Restaurant, oder dass das Jahr eine Nacht mehr bekommt, etc…
Irgendwas ist falsch an diesem Konzept der knappen Güter und am Begriff „Gut“. Finden Sie’s raus?
Oder umgekehrt…
Stowasser schrieb kürzlich:
Für alle Gläubigen eine Zeit der Einkehr in das Glaubenshaus. Für alle Meinenden eine Zeit des Lesens der dicken Samstagsausgaben der Zeitungen und dann Einkehr in das Wirtshaus zum Stammtisch um die neuen Meinungen auszutauschen und die alten Meinungen zu bestätigen. Für alle Wissenden Zeit genug den Garten vom Windholz zu befreien oder die Efeuhecke zu schneiden, bevor die Vögel nisten.
Nieth schreibt jetzt mit gleichen Worten in anderer Reihenfolge:
Für alle Einkehrer eine Zeit der Beglaubigung im Einkehrhaus. Für alle Dicken eine Zeit des Lesens der meinenden Samstagsausgaben der Zeitungen und dann Einwirten am Kehrtisch im Stammhaus um die neuen Tauscher auszumeinigen und alte Bestätigungen zu meinen. Für alle Efeuhecken Zeit genug Zeit sich selbst zu beschneiden, bevor sie im Garten vom Windholz gevögelt werden.
Die bessere Variante darf frei gewählt werden. Ist doch schön, wenn man Auswahlmöglichkeiten hat. Ausser man entscheidet sich nicht gern. Dann bleibt ja immer noch das Jammern…
Gut und Übel

Etwas ist darum ein Gut, weil sein Besitz besser ist als sein Nicht-Besitz. Etwas ist darum ein Übel, weil sein Nicht-Besitz besser ist, als sein Besitz. Güter werden begehrt; Übel werden gemieden. Wir begehren etwas,das wir nicht haben, aber haben möchten. Und umgekehrt. Besitzen wir das begehrte Gut, dann steigt unser Wohlbefinden; stösst uns ein Übel zu, dann verringert sich Dieses. Ein Übel ist ein Mangel an einem Gut. Hätten wir ausreichend Güter, würden wir nie an einem Übel leiden. Wir haben aber nicht ausreichend Güter, capito?
Wir sind übelanfällig und schliesslich erkranken wir aufgrund von Gütermangelerscheinungen. Maktub, würde Coelho meinen. Schicksal – es steht geschrieben. Adam und Eva haben uns das eingebrockt. Seit sie das Paradies verlassen mussten, steht menschliches Leben unter einem unerbittlichen Regiment der Knappheit. Praktisch nichts ist im Überfluss vorhanden. Vieles ist knapp: nicht nur die materiellen Güter, auch die der Seele und erst recht die des Verstandes. Auch das Leben selbst ist knapp- schwupps und schon vorbei. Am Schluss merkt man dann, dass man doch nicht so viel davon hatte und gerne mehr davon gehabt hätte. Ein berechtigter Anspruch? Oder eine unerfüllte Hoffnung auf Gerechtigkeit? Welche Gerechtigkeit? Irreführende Semantik… die ist im Überfluss vorhanden!
(Auszüge aus Wolfgang Kerstings Theorien der sozialen Gerechtigkeit und Ideen von Dani Nieth)
Vorbilder
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| Von eukomm |
Vorbilder sind nicht leicht zu finden. Ich brauchte Jahre um dieses hier zu entdecken. Oft hat man ein Vorbild vor Augen und entdeckt es gar nicht, weil man einfach noch nicht so weit ist, noch nicht reif genug. Erst jetzt, im gesetzten Alter kann ich das Vorbildhafte dieses Vorbildes erkennen, kann es schätzen und würdigen. Ein Jammer, dass ich so viele Jahre vergeudete ohne direkt diesem, meinem Vorbild nachzueifern. Das wird aber jetzt anders.
Es windet
Jetzt windet es. Davor wars lange kalt und der Schnee blieb die ganze Zeit liegen. Wieso kann es jetzt nicht einfach windstill sein? Jetzt wo es endlich keinen Schnee mehr hat ausser am Waldrand? Dann könnte man es doch endlich wieder mal geniessen. Aber nein, bei diesem Wind geht ja kein normaler Mensch nach draussen. Höchstens die, die müssen. Die sollen aber nicht jammern, sie habe ja den Job angenommen oder sich einen Hund gekauft oder müssen ja unbedingt reiten. Nicht mein Problem.
Und dann – das kennen wir ja auch – kurz Frühling, sofort Hagelschäden, knapp drei Tage überschwüler Sommer mit Gewitterneigung und schon kommt der zähe Nebel zurück. Kalt, grau und nass. Wie eben noch. Diese Ahnung, dieses Wissen bringt den grössten Optimisten ins Wanken. Und zwar mächtig. Da kann man selber nichts dagegen tun, wenn es ja nicht mal die können. Früher hatten wir viel besseres Wetter. Wir konnten noch schlitteln und Drachen fliegen lassen. Aber heute ist das kaum noch möglich, bei diesen Bedingungen.
Wochenende
für alle Gläubigen eine Zeit der Einkehr in das Glaubenshaus. Für alle Meinenden eine Zeit des Lesens der dicken Samstagsausgaben der Zeitungen und dann Einkehr in das Wirtshaus zum Stammtisch um die neuen Meinungen auszutauschen und die alten Meinungen zu bestätigen. Für alle Wissenden Zeit genug den Garten vom Windholz zu befreien oder die Efeuhecke zu schneiden bevor die Vögel nisten.
Eine Meinung haben
„Mit kaum einem anderen Wort wird wohl so viel Unfug getrieben wie mit dem Wort Wissen” – jammerte unlängst mein werter Freund Stowasser Franz. Nun, ich weiss nicht. Ist es vielleicht besser, wenn jemand anstatt Wissen einfach eine Meinung hat? Oder einen Glauben? Wo liegt der der Unterschied? Handelt es sich bei solchen Outings nicht generell um ein vorläufiges Fürwahrhalten? Das Meinen ist in diesem Sinne also keine Form des Urteilens, sondern der Aufschub eines definitiven Urteils. Und als solches Ausdruck einer modernen, unverbindlichen Skepsis. So haben sich im Laufe der Zeit so richtige Kampf-Meiner entwickelt: keine Ahnung von gar nix und doch zu allem eine Meinung.
Lieber Franz, meiner Meinung nach wird auch mit Glauben und Meinung viel Unfug betrieben. Das glaube ich nicht nur, das weiss ich auch, weil ich meine, es so richtig zu spüren. Spürst du es auch? Und was meinst du dazu? Weisst du etwas, was ich nicht weiss? Ich glaube schon.
Dauerhafte Zukunft
In den blauen Tagen fühlte der Herr sein Glück in jeder Sekunde. In den blauen Tagen dachte er nur wenig an die Zukunft, an seine Zukunft und wie er sie ruhig und dauerhaft gestalten könne. Schon im dauerhaften Gestalten lag eine Schwierigkeit. Weshalb sollte denn gerade die Zukunft dauerhaft gestaltet werden, wo es doch die Vergangenheit auch nicht war. Das Dauerhafte war er. Der Herr dauerte nun doch schon fast 60 Jahre. Sein ICH hatte sich mehrmals im Jahr, mehrmals im Monat, mehrmals in der Woche, am Tag, geändert. So war nichts Dauerhaftes, nur Manches, das mehr Zeit zum Verrotten brauchte als anderes. Auch hier, im Paradies, der Kampf gegen das Verrotten, der Kampf gegen den Rost, die Erosion. Neues aufbauen gegen die Verrottung. Darin erklären sich die Baumeister einig, mehr bauen, viel mehr, denn das gestern Gebaute wird bald zerstört werden, wird sich selbst zerstören durch Erosion, Rost, Fäulnis und anderes – auch durch Kleinstlebewesen, die sich davon ernähren.
Nicht Wissen
Mit kaum einem anderen Wort wird wohl so viel Unfug getrieben wie mit dem Wort „Wissen“. Da behaupten manche, Wissen könne man kaufen, Wissen vorenthalten, Wissen horten, Wissen weitergeben oder Wissen missbrauchen, denn Wissen sei Macht. Dabei wird auf eine Gleichung hingewiesen, die zwar richtig klingt, sich bei näherer Betrachtung jedoch als Quatsch herausstellt. Würde die Gleichung „Wissen = Macht“ halten, was sie verspricht, dann könnten wir sie auch so lesen: „Macht = Wissen“
Na?
Und?
Tja, da zerfällt die schöne suggestive Gleichung, denn wir wissen ja, dass die Mächtigen oft sehr wenig wissen und dass ihre Macht ganz andere Gründe hat. Ein „=“ Zeichen können wir nur dann setzen, wenn wir tatsächlich eine Gleichung meinen und dann sollte die rückwärts gelesen auch stimmen – wie zum Beispiel 2 + 3 = 5 / 5 = 3 + 2
„Ja“, sagen die „Wissen = Macht“ Konstrukteure, „wir meinen ja, dass Wissen zu Macht führt.“ Und auch hier klingt der Unsinn wieder gut. Wissen führt nirgendwo hin und schon gar nicht zu Macht, das weiß jeder, der schon einmal in einer Universitätsstadt Taxi gefahren ist. Da kann es leicht passieren, dass ein Doppel-Doktor der Philosophie und Bibliothekswissenschaft die Droschke lenkt. Nun erscheint es so, als hätten Wissen und Macht gar nichts miteinander zu tun, als seien das völlig unterschiedliche Worte deren Bedeutung wir nur zu kennen glauben, aber nicht kennen. Zur Definition des Wortes Macht gibt es meterweise soziologische Literatur, so einfach scheint dieses Wort also nicht zu sein, und vom Wissen will ich schweigen, das bewegte die Philosophen un Philosophinnen seit Jahrtausenden.
Was wissen wir also?
Und, wer findet das jämmerlich?





