Glaubenssätze

Jammern – das Erfolgsrezept

Wir hätten niemals gedacht, so erfolgreich zu werden.

Als Rudi Kraus und Franz Stowasser 1999 zum ersten Mal die Denkmöglichkeiten des deutschsprachigen Raums mit dem Büchlein „Jammern – aber richtig“ erweiterten, waren sie zweifelnd. Würden die Leserinnen und Leser verstehen, welche ungeahnten Kräfte im Jammern ruhten und würden sie diese Energien für sich verwenden können?

Heute können wir diese Fragen mit einem klaren „Ja“ beantworten. Jammern hat sich durchgesetzt, wurde zum Alltagsverhalten, sogar zum Leitbild der Politik. In Deutschland gibt es außer dem großen Jammer kein politisches Konzept mehr. Ängste, vor allem und jedem, münden in Jammerveranstaltungen auf denen jämmerliche Parolen plakatiert werden. Wer nichts hat, phantasiert sich etwas und bejammert dann einen wahrscheinlichen Verlust der phantasierten Sachen. Ganz sicher würde in naher Zukunft von Fremden alles genommen, vor allem die Heimat und der Volkskörper würde geschändet. Es sei ein Jammer, daß da niemand etwas dagegen unternehme, aber durch die Demokratie seien einem ja die Hände gebunden. Man wolle schon, könne aber nicht, denn die Welt sei verweichlicht und außerdem überfremdet. Umgeben vom Fremden muß der sich selbst ernannte (der sich nie verstanden hatte) sein Leben fristen. War es nicht schon fremd genug, sich selbst nicht zu kennen, mußten da noch andere unbekannte Wesen die Welt, diese eigene Welt, diese ureigenste, persönlich durch das Leben geschenkte, Welt bevölkern? Der große Jammer, daß nicht alle so waren wie man selbst, so gescheit, so einzigartig, so überheblich und kurzsichtig, die Verletzung, daß ich nicht alleine war auf diesem Planeten. Oder wenigstens sollten alle so sein wie ich, dann wäre diese Welt ein guter Ort, ein arbeitsamer und stiller Ort. Jeden Abend besoffen zwar, haßerfüllt und gewaltbereit, aber irgendwo muß ja der Dampf abgelassen werden, tut ja allen leid.

Nachdem die Saat des Jammers also besser aufgegangen war, als wir jemals erwartet hatten, wollen wir nun aufklären und deutlich machen, daß es sich bei dem Büchlein „Jammern – aber richtig“ um eine Satire handelte. Doch, wir wissen, das braucht nähere Erklärungen. Dani Nieth, dem wir dafür herzlich danken, hat ein Aufklärungsbuch geschrieben: „Jammern gefährdet Ihre Gesundheit“ – Frustfrei in sieben Tagen.

Dieses Buch war dringend notwendig und wir freuen uns, daß es nun den Lesern zur Verfügung steht. Befreien Sie sich aus der Suggestion des Jammers, lesen Sie dieses Buch: https://www.m-vg.de/mvg/shop/article/11284-jammern-gefaehrdet-ihre-gesundheit/

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Glaubenssätze

Gesunder Menschenverstand

Wer sich auf den gesunden Menschenverstand bezieht, möchte eine Normalität zur Basis der Argumentation machen. Die Behauptung, es gäbe einen gesunden Menschenverstand, setzt einen ideellen Prüfstein, an dem dann in autoritärer Weise das Richtig und Falsch der Meinung anderer geprüft wird. Dieses entspricht und jenes entspricht nicht dem gesunden Menschenverstand. Vertreter des gesunden Menschenverstandes maßen sich damit an, die Welten der Anderen als mit dem gesunden Menschenverstand konform oder auch nicht konform zu bezeichnen. Sie setzten sich in die Position absoluter Beurteilung, schließen ein und sortieren aus, autokratisches Bewerten: Ich sage, was gesunder Menschenverstand sei und prüfe Dich, ob Du mit Deinem Verhalten diesem entsprichst.

„Zur Aufwertung des gesunden Menschenverstandes trägt stark die deutsche Popularphilosophie bei, die auch Philosophie des gesunden Menschenverstandes genannt wird. Ihre Blüte erlebt sie während der Hochaufklärung, von etwa 1750 bis 1780. Hauptvertreter sind u. a. Moses Mendelssohn, Johannes Nikolaus Tetens, Johann Georg Heinrich Feder, Christoph Meiners und der frühe Kant.[9] „ zitiert aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Gesunder_Menschenverstand

Weshalb bezeichne ich den „gesunden Menschenverstand“ als einen ideellen Prüfstein? Weil keines der drei Worte erklärt werden kann. Weder das Wort „gesund“, noch „Mensch“ noch „Verstand“ kann definiert werden. Um das Wort „gesund“ zu definieren genügt heute die Floskel: Gesund bedeutet die Abwesenheit von Krankheit. Krankheiten gibt es viele, tausende, Gesundheit nur eine. Doch was „gesund“ sei, wird damit nicht geklärt. Und wer könnte von „Menschen“ sprechen und damit alle Menschen meinen. Alle, die jemals lebten, alle, die heute leben, alle Menschen, die in Zukunft leben werden? Selbst wenn wir „Menschen“ nur auf die reduzieren, die heute leben, gibt es niemanden, der all diese Menschen kennt und diese nach deren Verstand befragen könnte. Und was sollte bezüglich eines Verstandes befragt werden? René Descartes machte darauf aufmerksam:

„Der gesunde Verstand ist das, was in der Welt am besten verteilt ist; denn jedermann meint damit so gut versehen zu sein, dass selbst Personen, die in allen anderen Dingen schwer zu befriedigen sind, doch an Verstand nicht mehr, als sie haben, sich zu wünschen pflegen.“ zitiert aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Verstand

Wir können nicht wissen, ob „jedermann“ meint, genügend Verstand zu haben. Es wird schon ein paar Menschen geben, die sich mehr davon wünschen. Einige möchten vielleicht so viel Verstand haben, dass sie auf autoritäre Rhetorik wie die des gesunder Menschenverstandes verzichten könnten:

http://www.theeuropean.de/heinrich-schmitz/9023-die-maer-vom-gesunden-menschenverstand

Ich habe schon einige Menschen getroffen, die von sich meinten, sogar zu viel Verstand zu haben. Darin sahen sie die Quelle ihrer Unzufriedenheit mit den Mitmenschen. „Ach wäre ich nur genauso dumm wie die, dann könnte ich zufriedener leben.“ Oder in der Umkehrung: „hätte nur jeder so einen gesunden Menschenverstand wie ich, das wäre eine schöne Welt“. Eine schöne Welt, eine und genau eine Welt, für alle verbindlich, EIN tausendjähriges Reich des gesunden Menschenverstandes. Vielleicht könnte ich mich mit so einer „Einweltphilosophie“ selbst beruhigen und wenn ich das versuche, fällt mir auf, dass ich immer unruhiger werde, weil ich meine eine Welt bedroht sehe. Jede(r) Andere scheint meine schöne Einwelt anzugreifen, von überall her droht Unverständnis und ungesundes unmenschliches Verhalten. Also jammere ich: „Weshalb können nicht alle so denken wie ich, dann wäre Die Welt doch in Ordnung.“

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Glaubenssätze

Der Sinn des Strebens

Im Fernsehen wurde die Freiwilligenarbeit beworben. Diese Arbeiten sollten ohne Entgelt bleiben und es wurde darauf hingewiesen, wie sinnvoll dies für Senioren sei, die ja durch unentgeltliche Freiwilligenarbeit Kontakt zur Gemeinschaft erhalten würden, kostenlos. Der Herr fragte sich, ob das wohl heißen würde, dass seine Gemeinschaftskontakte schon alle kostenpflichtig geworden waren. Freiwilligenarbeit sollte auch Lebenssinn geben und sinnvoll sein, so hieß es. Das verwirrte den Herrn noch mehr, da er ja selbst weniger Sinn geben, als vielmehr mit seinen Sinnen erleben wollte. Dass das Leben Sinn machen müsse, konnte ja angesichts des alltäglichen Unsinns nicht der Fall sein. Oder war Sinn ein Altersthema, ein Lohn für Senioren, die unentgeltlich freiwillige Arbeit verrichteten? Mussten die Alten Sinn bekommen, weil im Alter die Sinne schwinden? War das Rufen nach Lebenssinn ein Rufen nach Unterordnung für aufbegehrende Senioren? Oder waren die TV-Programm-Macher sinnlos betrunken, vielleicht nicht ganz bei Sinnen? Im Akt der Sinngebung liegt ein Autoritätsbeweis, die „Kommunikation“ im kirchlichen Sinn. Autoritäten entscheiden darüber, was Sinn hat und was sinnlos zu bleiben hat.

Ein Bild, sinnlos, bis Sinne Sinn geben.

Ein Bild, sinnlos, bis Sinne Sinn geben.

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Allgemein, Ideen und Gedanken, Jammern, Realität, Soziologie

Nachtrag schlimmer Worte

Zwischen zwei und drei Mal pro Minute hören wir das f-Wort  und so häufig kommt das schlimme f-Wort in US Filmen vor:

The Wolf of Wall Street    569 Mal

Summer of Sam                  435 Mal

Another Day in Paradiese 291 Mal

State of Grace                      230 Mal

The Big Lebowski               206 Mal

Um den Spaß noch weiter zu verderben, das f-Wort wird nicht zum Lustgewinn, sondern als Fluch gebraucht. Es darf gesagt werden, so lange keine lustvolle Anspielung auf die f-Aktion gemacht wird. Aggression und Abwertung, Herabsetzung und verbale Unterwerfung sind leider hoffähig. Sexscenen finden in den gleichen Filmen mit Bikini und Hosen statt, vielleicht weil die Schauspielenden weder S-haare noch G-teile haben.

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Allgemein, Ideen und Gedanken, Reframing, Soziologie

Schlimme Wörter

Schlimme Wörter lauern überall. Man will oft gar nicht und hört doch, vielleicht auf der Straße, oder in einem Cafe, im Bus, in der u-Bahn, im Zug, im Büro, auf der Arbeit, in der Schule, in einer Bank in der Warteschlange, beim Einkaufen oder sonstwo ein schlimmes Wort. Da man das gar nicht hören wollte und es doch gehört wurde, bleibt es auch im Ohr und will nicht vergessen werden. Manche Menschen werden durch solche Worte, die unerhört von anderen Menschen ausgesprochen wurden und nicht gehört werden wollten, dann doch im Gedächtnis bleiben, krank. Es gibt aber Hilfe. In den USA, wo solche Krankheiten sehr häufig auftraten, weil es dort sehr viele schlimme Wörter gibt, die im Katalog für political corectnes aufgelistet sind, werden landesweite Desensibilisierungsprogramme angeboten. Nicht von Ärzten oder Psychiatern, sondern von den Medien. Das Wort “fu…” gilt in den USA zum Beispiel als ein schlimmes Wort. Weil die Gefahr bestand, dass viele Menschen an diesem Wort erkranken können, wurde die landesweite Desensibilisierung durch Filme beschlossen. Amerikanische Filme der letzten Jahre sollen möglichst in jedem Satz, mindestens aber in jedem zweiten Satz einmal das “f…” Wort enthalten. Sollten mehrere Sätze von Frauen oder Kindern gesprochen worden sein und in diesen Sätzen das “f…” Wort nur wenig verwendet, dann kann eine männliche Stimme danach das Wort gleich 4 bis 7 Mal hintereinander sagen, oder besser raus schreien.

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Der Herr findet eine Freiheit mehr,

er findet nicht die Freiheit. Hatte die Freiheit auch nicht mehr gesucht, als er erkannte, dass er sich mit der Suche nach der Freiheit in ein Gefängnis eingeschlossen hatte. Die eine, richtige, wirkliche Freiheit suchen und finden wollen, das war eine Reduktion der Möglichkeiten zum, als Ideal phantasierten, einen Punkt. Der Herr wunderte sich darüber, dass er so viele Jahre das Spiel mit Einzahl und Mehrzahl nicht gesehen oder gehört hatte. Die Freiheit, also diese eine Freiheit, die richtige Freiheit war ein unerreichbares Konstrukt, in sich so widersprüchlich, weil diese eine Freiheit eine, die Richtigkeit definierende Autorität voraussetzte, der doch an Freiheit nicht gelegen sein konnte, sondern an Hierarchie zur Erhaltung der Autorität. Der Herr fühlte sich erleichtert, als er anstatt an die Freiheit, die Möglichkeit, die Wirkung, die Welt, die Logik, vielmehr Freiheiten, Möglichkeiten, Wirkungen, Welten, Logiken dachte.

Soweit der Beitrag des Herrn, jetzt folgen noch circa 750 Wörter für die Suchmaschinen. Viele Suchmaschinen bevorzugen Texte, die über tausend Wörter beinhalten. Der Herr liefert diese Wörter, denn er hat bei früheren Wörterlieferungen schon erfahren, dass sich interessante Aussichten auftun, wenn anfangs etwas knapp gehaltene Thesen weiter ausformuliert werden. Die Freiheit, in ihrer Einzahl gesucht, kann nicht gefunden, nur phantasiert werden. Vielleicht kann jede Einzahl nur phantasiert werden. Ein Punkt an einem nicht näher bestimmten Ort ruft sofort sein Gegenteil, die Linie auf, oder verschwindet, negiert sich in seinem Gegenteil. Als ein Punkt kann er nicht bleiben, bildet immer Differenzen zu irgend etwas anderem. So auch die Freiheit, auch sie kann nicht allein für sich bleiben, ruft ihre Gegenteile in Mehrzahlen auf, wird zu vielen Freiheiten oder eingeschlossen, gefangen in anderen Negationen.
Jaques Derrida hatte einst danach gefragt, was vor der Frage sei. Bevor der Herr seine Frage nach der Freiheit stellen konnte, hatte er sich mit einigen Gegenteilen der Freiheit bekannt gemacht. Diese haben ihm vielleicht nicht sehr gefallen und er fragte nach der Freiheit. Da noch unwissend darüber, wie sehr er sich Picture 101mit der Frage nach einer Freiheit, nach der (richtigen) Freiheit wieder in deren Gegenteile begibt. Unfreiheit wollte er gerade hinter sich lassen und schon grinst sie ihm wieder direkt ins Gesicht. Er kann damit umgehen, indem er nach Freiheiten in der Mehrzahl fragt. Erleichtert erkannte der Herr dann auch, dass er viele Freiheiten genießen konnte und schätzte sich glücklich. Kaum war er seinen Fokus auf die richtige Freiheit los, hatte er Freiheiten gewonnen, sich anderweitig frei zu denken. Aus dem Diktat der Richtigkeit hatte er sich gleich mit befreit. Wer hätte wohl diese richtige Freiheit für den Herrn definiert? Nicht eine Person allein. Viele Personen hätten sich gemeldet und den Herrn mit richtigen Definitionen des Wortes Freiheit versorgen wollen. So wäre auch da die eine, die eine richtige Freiheit bereits unmöglich geworden. Mit Gewalt hätte der Starke vielleicht seine Definition der Freiheit, nämlich der Freiheit des Stärkeren so lange durchsetzen können, bis ein noch stärkerer mit einer anderen Definition genau das verhindert hätte. Wendet nun dieser Stärkste aller Definierer des Wortes Freiheit seine Definition auch auf sich selbst an?

Wohl kaum, denn er endet sonst wie der Ringer in der Monty Python Show, der alle anderen Ringer besiegt hatte und nun gegen sich selbst kämpft. Führt also die Sehnsucht nach der einen, richtigen Definition zunächst zur Unterdrückung durch Stärkere, dann zu deren Selbstvernichtung? Und bekommen wir das nur nicht mit, weil bislang immer noch ein Stärkerer im Ring erschienen war, der seine Definition durchzukämpfen verstand? Die Idee des Wettbewerbs lebt davon, immer neue Siege zu feiern, dabei kann daran nichts Neues sein. Damit aber der Wiederholungscharakter dieser Wettbewerbsveranstaltungen nicht so auffällt, werden sie jeweils mit “Neuigkeiten” garniert und als “das Beste” serviert. Das Beste kann es nicht geben, denn es behauptet Eines zu sein und lebt doch nur aus der Abgrenzung zu den Zweit-, Dritt-, Viertbesten. Das Beste kann sich auch nicht selbst feiern, braucht die Perspektiven des Schlechteren. Die Medien bieten uns dieses Spektakel täglich als “das Neuste” an und der Herr erspart den Leserinnen und Lesern, die bis hierher mit gewörtert haben, auch noch “das Neuste” in seiner Abhängigkeit zum Älteren und in seinem Sterben, seinem zitternden Erwarten des kommenden “Allerneusten” zu beschreiben.

Statt: “Das Spiel mit der Mehrzahl” nun also Spiele mit Mehrzahlen. Der Herr wollte jedoch nicht mehr zahlen. Noch mehr Zahlen verwirrten ihn und er dachte, das sei ein Grund gewesen, dass er sich für die Einzahl entschieden hatte. Einzahlen auf sein Konto der schleichenden Verdummung, das er stark und kampfbereit zu verteidigen bereit war. Das Konto der schleichenden Verdummung war dem Herrn zuwider geworden. Je dümmer es wurde, desto lauter und eindimensionaler gebärdete es sich. Es wollte allen Welten seine Einzigartigkeit in seiner realen Existenz zeigen. Nur der Fakt, dass es da war, sollte noch gelten. Laut, fordernd und drohend machte das Konto der schleichenden Verdummung auf sich aufmerksam und verlangte, der Herr solle noch mehr darauf einzahlen. So war das Konto prall, dick und fett geworden, breiter auch und nahm immer mehr Platz ein, wollte sich noch mehr ausbreiten um seine Existenz jede Sekunde bewiesen zu sehen. Immer mehr, immer schnellere Einzahlungen wollte das Konto, wollte erst tägliche, dann stündliche, dann dauernde Bestätigung.

Paradoxer Weise gewann es mit seinem Wachstum nicht an Sicherheit, wurde im Gegenteil immer unsicherer darin, ob es auch noch das stärkste, größte und meist beachtete Konto der schleichenden Verdummung war. Wollte seine Einzigartigkeit jede Sekunde von den nicht Einzigartigen bestätigt sehen. Und zweifelte mit den häufiger werdenden Bestätigungen, die doch nur von anderen, von nicht Einzigartigen erfolgen konnten, immer mehr an der Aufrichtigkeit dieser Bestätigungen. Es fühlte
siPicture 115ch bestätigt, aber noch mehr betrogen. Es gab ja keine richtige Bestätigung, konnte keine geben, denn die hätte von einer anderen Einzigartigkeit kommen müssen. Das aber wäre das Ende der Einzigartigkeit des Kontos der schleichenden Verdummung gewesen. Eine andere Einzigartigkeit sollte es nie und nimmer geben. Dann lieber leiden und sich mit dem schweren Los dauernder Benachteiligung abfinden. Es liegt  im Schicksal des Einzigartigen, von allen anderen betrogen zu werden. Deshalb war  das Konto der schleichenden Verdummung auch immer auf der Hut, sehr wachsam, rüstete sich und schützte sich vor den Betrugsversuchen, die überall lauerten. Manchmal war es erschöpft, schlief auch schlecht, weil es meinte, vielleicht einen Betrugsversuch, oder, noch viel schlimmer, das Heranwachsen eines anderen Einzigartigen übersehen zu haben.
Franz Stowasser, 2015

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