Ideen und Gedanken

Krisenpraxis 1

Was bedeutet eigentlich das Wort Krise?

Einige Definitionen dazu finden wir bei Walter L. Bühl: „Krisentheorien“ S. 9 „Was ein Problem und was eine Krise ist, das ist lediglich eine Frage der öffentlichen Dramatisierung.“ Und die haben wir ja – zumindest in Deutschland – in der letzten Zeit genügend erlebt. Sogar verstärkt durch paradoxe Botschaften.

Einerseits gibt es, soweit besteht Medieneinigkeit, eine Finanzkrise, andererseits werden Milliarden von Euros bewegt, sogar ohne Bankprüfung:
„Im Fall Opel habe die KfW, so Schröder (Ulrich), auf Weisung der Bundesregierung gehandelt. Eine bankmäßige Prüfung habe nicht stattgefunden. Angesichts der bevorstehenden Insolvenz der Opel Mutter General Motors habe dafür die Zeit nicht gereicht.“ Badische Zeitung S. 20 vom 5. Juni 2009

Es handelt sich hier ja auch nur um 1,5 Milliarden Euro. Eine günstige Nachricht auch für die KMU, wenn Sie es schaffen, nachzuweisen, dass Sie mit ihrer Finanzierung eine Krise, kein Problem haben, dann können Sie Milliarden erwarten. Aber wie machen Sie aus Ihrem Finanzproblem eine Finanzkrise?
Ganz einfach, Sie beginnen mit der Vorkrise und, da Sie ja noch üben nehmen Sie erst einmal eine Entscheidungskrise, nicht gleich eine Finanzkrise.

„Im Bereich der Vorkrise werden Notwendigkeiten der Nachbesserung in der eigenen Informationsverarbeitung wahrgenommen und oft auch nachgefragt.“ In diesen Zeiten zeichnen sich für Berater neue und interessante Beratungsthemen ab. Die Kunden fordern eine Darstellung der neuen Entwicklung. Sie hoffen, dadurch ihre Informations-und Entscheidungsapparate aktualisieren zu können. Eine der hier entstehenden Paradoxien ist die, alte und bewährte Entscheidungsstrategien nicht verlassen zu wollen während gleichzeitig das Bedürfnis, neuere und andersartige Ansätze zu prüfen und in diese alten Gepflogenheiten zu integrieren. „Ham wir immer schon so gemacht, das ist alter Wein in neuen Schläuchen, das machen wir ja sowieso“ sind Killerphrasen, Vermeidungsstrategien, die Stabilität in einer Zeit schaffen sollen, in der die Zeichen auf radikale Veränderung gestellt werden. Vorkrise heißt aber auch Abschied von Stabilität.

Gleich mal anrufen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
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Ideen und Gedanken, KrisenNavigation Seminare und Coaching, Positiv handeln

Hohes Tempo, spontanes Lachen, laute Diskussionen und sachliche Diskurse

Lustiger Schluss in deinem Mentoring-Beitrag, lieber Franz. Und ein schönes Auto dazu. Deins? Schau mal, ich hab auch eine Foto: vor zwei Jahren in den West Hamptons von Long Island an irgend einer Strasse zum Meer abgeknispst. 

Cadillac

 

Toll, nicht? Und gleichzeitig die Verkörperung von verstaubter Tradition, stickiger Langeweile und dunklen Geheimnissen. Resignation. Und Faszination. Stolze Nation? Nun – nach Obamas Kairo-Rede geht das in Ordnung. Was für ein Auftritt! Was für eine rhetorische Grossmacht! Der Mann ist unheimlich nahe an Perfekt. Wie schafft er das nur? Wie bleibt er jederzeit so sympathisch und vertrauensvoll? Braucht er Energie, sich nicht als Messias wahrzunehmen, auch wenn die Menge das so sieht? Oder ist er einfach wie er war? Und wird sein wie er ist? Keine Ahnung, wir werden es erleben. Jedenfalls ist es schon grossartig, Teil dieser spannenden Zeitepoche sein zu dürfen.

Und es gibt immer was zu tun: Diese Woche ein Messetraining für IT-Menschen, ein Treffen mit den Partnern meines neuen Netzwerks, Golf spielen in Zumikon, Radfahren mit dem Hund, Business-Lunch mit Auftragseingang, zwei Tage Podiums-Gesprächs-Training für den CAS-Kurs am maz in Luzern. Ich habe extrem Spass an meinem Job und liebe Trainings ohne strikte Tagesabläufe, das Eingehen auf spontane Bedürfnisse und momentane Ziele von Teilnehmern und das Erzählen von  witzigen Anekdoten oder spannenden Metaphern. Ich mag ungeplante Pausen, direktes Feedback, gegenseitiges Lernen, hohes Tempo, spontanes Lachen, laute Diskussionen und sachliche Diskurse. Es ist keine didaktische Super-Show und muss es auch nicht sein. Freude und Spass gedeihen besser auf lockerem Nährboden, oder nicht? Und was gedeiht wächst. Und Wachstum wollen alle – nicht nur Skifahrer: 

Wachstum

Die einen bauen Brücken, andere wachsen und einige verändern sich und ich geh jetzt ins Bett und überlasse die Bildregie in meinem Kopf dem unkontrollierten Zufall.

Gute Nacht, Freunde.

 

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Ideen und Gedanken

Kreativität trainieren?

Wer jammert taugt nichts, bringt schlechte Stimmung und hält uns alle auf – was wäre, wenn Jammerer einen Beitrag geleistet hätten, den wir bisher nicht erkennen konnten?

Beschäftigen wir uns also mit dem Jammer, hier zunächst in Bezug auf die betriebliche Ausbildung. Dann werden weitere Artikel zu vielen Bereichen des Alltags- und Berufslebens folgen. Jeder Ausbilder, jede Ausbilderin erlebt in der täglichen Trainingsarbeit manche Themen als sperrig. Themen, die sich nicht direkt mit der eigenen Lust und Freude erschließen lassen und Themen, bei denen die Teilnehmer auf stur schalten und scheinbar rein gar nichts kapieren wollen. Dann wird gejammert und geklagt, wie kompliziert das alles sei und wie schwer verständlich, welchen Mühen man sich unterziehen muss und wie einfach es die anderen haben.
Was passiert jedoch, wenn wir aus der Empfindung, vor einer bejammernswerten Unmöglichkeit zu stehen eine Frage machten? Mit Fragen eröffnen sich oft Perspektiven.
So wird gerade in der Zusammensetzung, nicht Auseinandersetzung solcher, kompliziert und unlösbar scheinender Themen die Chance für neue Erkenntnisse erhöht. Ressourcen können herbei gezaubert, Erfolge gefeiert, Ermutigungen geschaffen werden. Ich möchte in diesem Artikel den Kollegen und Kolleginnen der betrieblichen Ausbildung einige Hilfsmittel zur erfolgreichen Präsentation solcher „Jammerthemen“ an die Hand geben. Leider kann ich auf Grund der gebotenen Kürze nur drei Punkte ganz knapp präsentieren, mehr gibt es eventuell auf Nachfrage.

Wie kann ich „Jammerthemen“ in lustvolle und ansprechende Didaktik verpacken?

* Erinnern Sie als erste Aktion in Ihrer Präsentation an erfolgreiche Lösungen anderer Probleme. Sammeln Sie am Flipchart die Namen erfolgreich durchgeführter Projekte oder/und Vorhaben, die anfänglich unmöglich schienen. Sammeln Sie die Ressourcen, die damals aktiviert wurden und visualisieren Sie. Für alle Teilnehmer sichtbares Aufschreiben ist hier wichtig. Schon das Ansprechen von Ressourcen bringt einen anderen als den „Jammerzustand“, viel mehr noch das Aufschreiben.

* Stellen Sie das Gegenteil dessen dar, was eigentlich präsentiert werden soll. Besprechen Sie dieses Gegenteil ausführlich. Wenn sie zum Beispiel in der Versicherungsbranche über rechtliche Vorschriften zu referieren haben, beginnen Sie mit einer Phantasie, wie Versicherungsverträge in einem rechtsfreien Raum zu schließen wären. Diskutieren Sie eine Zeit lang über diese Möglichkeiten, einfach nur, um dem Gehirn die Möglichkeit zu geben, sich aus der Erwartungshaltung unendlicher Langeweile zu befreien. Sie werden staunen, mit wie viel Freude sich die Teilnehmer den von Ihnen angebotenen Stoff dann aneignen.

* Verbinden Sie Themenkomplexe, die nicht verbunden scheinen, trennen Sie Themenkomplexen, die nicht getrennt erscheinen. Wenn Sie zum Beispiel von jemand jammernd auf dessen momentane Unfähigkeit, den Stoff zu kapieren, aufmerksam gemacht werden, verbinden Sie diese Unfähigkeit mit einem anderen Themenkomplex in dem diese Unfähigkeit bisher nicht auftritt: „Wie wäre es, wenn Sie diese Unfähigkeit, Stoff aufzunehmen dann nutzen, wenn Sie weniger essen, rauchen, fernsehen wollen – und hier Ihre Fähigkeit nutzen und den Stoff in kleine, leicht lernbare Teile aufteilen?

Mit Vorfreude auf die nächsten Jammerer, Franz Stowasser
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Ideen und Gedanken, Jammern, Strategien und Modelle

Mi-mi-mi-Trance

Stell dir das Gesicht der Muppet-Figur Beaker vor: Das ewige Jammergesicht. Ängstliche Augen, die Mundwinkel steil nach unten und das kläglich wimmernde „Mi-mi-mi“. Im Kontext einer Comedyshow sicher lustig, im Alltag hingegen untauglich. Möchtest du mit so jemandem zu tun haben? Wohl kaum. Also – weshalb jammerst du? Um dir die Leute vom Hals zu halten, die dir eigentlich helfen sollten? Schau dich genau an, wenn du jammerst. Schau in den Spiegel. Was siehst du? Nicht unbedingt das, was man sich als Freund wünscht. Eher das, was man gerne meidet. Achtung Gefahr! Crisis ahead! Nein, es lohnt sich wirklich nicht. Mit dieser Fratze ziehst du die falschen Gesellen an. Stell dir die Frage, welche Realität du dir so gestaltest, wie sich deine Demotivation auf auf andere Menschen auswirkt, wie leistungsunfähig du in diesem Moment bist und wie das Ganze deine Energie und Gesundheit beeinflusst. Schnitt.

  Die viel zitierte Krise bietet ein ausgezeichnetes Trainingsumfeld und viele Möglichkeiten, den Spiess umzudrehen. Zeig ein freundliches Gesicht und du wirst sofort in anderen Kr(e)isen verkehren. Dein Entscheid. Du kennst das bestimmt, schau zurück. Erinnere dich an deine erfolgreichen Auftritte. Baue auf deine Ressourcen!

  Du wirst schon am Morgen damit beginnen wollen. Gestalte den ersten Kontakt mit Mitmenschen freundlich. Das hilft. Erwarte nicht all zu viel, auch das hilft. Bleib dran, lass dich nicht entmutigen. Über den ganzen Tag gesehen wird es sich positiv bemerkbar machen. Du wirst genügend Gelegenheiten haben, diese Veränderung zu beobachten. Eine neue, bessere Realität wird sich einstellen. Du bestimmst die Umstände, du wirst dich deiner Verantwortung und Möglichkeiten bewusst und es wird sich hervorragend anfühlen. 

  Viel Spass und viele Grüsse, Dani Nieth

 

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Glaubenssätze, Ideen und Gedanken

Weltmeister vs. Katzenjammer

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Zuerst auf dem Eis, dann im Jubeln: Die Russen sind Weltmeister. Tolles Spiel, beeindruckende Könner. Das gilt auch für die Kanadier. Und doch kann nur einer gewinnen. Zweimal hintereinander gegen die selbe Mannschaft zu verlieren ist allerdings hart. Man hat es ihnen angesehen. Während dem bei den Russen sogar Trainer Bykow lacht, herrscht nun bei den Kanadiern Katzenjammer. Was werden die nach dem Duschen wohl machen? Etwas essen gehen? Vodka trinken (kleiner Scherz)? Telefonieren? Jammern? Fernsehen? Entschuldigung, ich stelle mir lieber die Russen vor. Das gibt mir ein besseres Bild zum Einschlafen. Na zdrowie!

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Glaubenssätze, Ideen und Gedanken

Schneller Hase?

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Lieber Franz Stowasser

In deinem Blog-Artikel vom 26. April stellst du die Frage: “Kommt Veränderung nicht viel zu oft und viel zu schnell von selbst?”

Ist das wirklich eine Frage? Oder ist es eine These? Wie soll ich das verstehen?

Habe ich nicht bei dir gelernt, dass Veränderung am besten schnell und einfach eintritt? Sagt nicht Richard Bandler in Time for a Change im Kapitel Fast Philia dasselbe? 

Ich verstehe die Frage und gleichzeitig verstehe ich nicht, dass sie von dir in den Raum gestellt wird. Vielleicht provozierst du nur? Geht es darum, dass es nicht um entweder-oder sondern um sowohl-als-auch geht?

Vielleicht bin ich ja auch nur zu einfach verdrahtet, um zu kapieren. Oder zu kompliziert. Jedenfalls knistert es in der Zentrale.

Ich habe mich verändert, manchmal bewusst schnell (Notfall) und über all die Jahre auch unbewusst langsam (Normalfall). Was ist besser? Wer wertet und wer entscheidet? Es scheiden sich ja bereits die Glaubenssätze: Wahre Liebe wächst langsam. Langsames Wirtschaftswachstum macht nervös. Slow food ist gesund. Speed kills. What ever you’ll like to belief.

Danke Franz, ich weiss wieder einmal gar nichts mehr. Ich würde jetzt gerne ein bisschen jammern.

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Ideen und Gedanken

Einfluß, Abfluß, Ausfluß

Nach der grausigen Geschichte mit dem Frosch zitierte mein Kollege Dani Nieth den Malcolm Gladwell mit: „Nicht alle Mitglieder einer Gruppe haben den gleichen Einfluss. Vielmehr haben einzelne Mitglieder einen überproportional großen Einfluss, Veränderungen herbeizuführen.“
Mit dieser Aussage hat Malcolm Gladwell seinen Tipping Point sicher nicht überschritten sondern Fragen aufgeworfen wie:

Sind „alle“ Mitglieder einer Gruppe auch Gruppenmitglieder?
Was heißt Einfluß und fließt, wo was einfließt auch was ab, oder aus?
Was heißt „Veränderung herbeizuführen“? Kommt Veränderung nicht viel zu oft und viel zu schnell von selbst?

Navigationskarten, die ausgetretene Wege darstellen haben wir genug. Wir brauchen die andere Seite der Navigationskarte, wenn wir durch die Krise kommen wollen. Die Seite, von der wir bislang dachten, sie sei leer. Darauf zeichnen wir dann unsere eigenen Navigationsideen und überlassen den Macolm Gladwell seinen Veränderungen.

vormals leere Seite

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Ideen und Gedanken

Tipping Point

 

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Im gestrigen Vortrag des Zukunftsforschers Lars Thomsen habe ich von folgendem Versuch gehört: Wenn man einen Frosch in heisses (rund 70 Grad, nicht kochendes) Wasser gibt, dann wird er sofort herausspringen. Lässt man ihn erst in kühles Wasser und erhitzt dann dieses langsam und kontinuierlich auf dieselbe hohe Temperatur, wird er dies nicht überleben, weil der Tipping Point überschritten wurde. Dieser liegt in diesem Fall bei einer Temperatur von etwas über 40 Grad. Dann beginnt das Eiweiss im Blut auszuflocken und dies führt zu einer Unterversorgung der Muskulatur. Und wenn der Frosch realisiert, dass Gefahr besteht, kann er seine Glieder nicht mehr genügend schnell bewegen. Ein hässlicher und dennoch sehr interessanter Gedanke.

 

Tipping Points gibt es in der Wirtschaft (erst vor kurzem wurde einer überschritten), in der Führung, Politik, Sport, Umwelt, zwischenmenschlichen Beziehungen und – bestimmt auch – bei jedem Einzelnen. Bei mir. Es lohnt sich, darüber nachzudenken. Bin ich wachsam genug? Erkenne ich kleine Veränderungen? Habe ich den Mut und die Kraft schnell zu agieren?

 

Malcolm Gladwell schreibt: „Nicht alle Mitglieder einer Gruppe haben den gleichen Einfluss. Vielmehr haben einzelne Mitglieder einen überproportional großen Einfluss, Veränderungen herbeizuführen.“ Ich könnte das sein. Ich kann das sein. Ich kann Verantwortung übernehmen und mit Leidenschaft und Vertrauen Veränderungen bewirken. Bevor sie gegebenenfalls einen Tipping Point überschreiten. Die Gesellschaft bin ich. Und du.

 

Viele Grüsse, Dani Nieth

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