Allgemein, Ideen und Gedanken, Jammern, Krisenbewältigung, Lebenshilfe

Sommerabend am See

Tuerlersee045

Kurz nach Sonnenuntergang, nachdem die meisten Naturliebhaber den Heimweg angetreten haben, fahre ich guten Mutes mit dem flotten Velo meines Vaters zu meiner Lieblingsstelle am Türlersee, um vor der Nachtruhe noch eine Runde zu schwimmen. Perfekt – mein Plätzchen (3×1 Meter) ist frei, ich stelle mein Fahrrad hin und streife das T-Shirt ab. Die Badehose trage ich schon. Man denkt ja vor und nutzt diesen traumhaften Sommerabend möglichst effizient. Luft 26°, Wasser ebenso. Spoiled. Ich schwimme so 200 Meter gegen die Mitte des Sees. Eine Ruhe. Noch ein wenig Rückenlage und mit Blick zum leicht bewölkten Himmel mit den rosa Figuren das Glück spüren. Und wieder zurück. Easy. Kein Mensch. Das Badetuch habe ich vorsorglich (man denkt ja vor…) über der Querstange des Fahrrads bereit gelegt. Ich trockne mich ab und ziehe mich für die Heimfahrt um. Das heisst: Ich „möchte“ mich für die Heimfahrt umziehen.

Schon von Weitem höre ich ihre unsympathische, weil leicht hysterische, Stimme. Er, dürr und mittleren Alters, ist rund 30 Meter vor ihr an mir vorbei gegangen.

Sie: „Mathieu! Weshalb gehst du vorbei?“

Er: „Was?“

Sie: „Wir waren immer hier!“

Er: „Ah ja? Nein.“

Sie: „Doch, natürlich! Hier!“

Doch „hier“ stehe zur Zeit eben ich. Mit einem Fuß im warmen Schlamm wo es Spuren von Hunden, Menschen und Filp-Flops hat, mit dem andern etwa 40 cm erhöht, also unbequem, am steinigen Ufer. Das Badetuch locker um die Hüfte geschwungen und recht lächerlich wirkend, weil versuchend, mit spastischen Bewegungen die nasse Shorts von den dreckigen Füßen zu schütteln. Ein ungeeigneter Moment um so einen auf nette Vorstellungsrunde und: „Klar, kommt nur, es hat Platz, der See gehört allen!“, dabei meinend: „Shit, haut bloss ab, das ist zur Zeit mein Strändchen, hier schwimme ich.“ zu machen.

Sie gehen weiter. Universum sei Dank.

Nachdem ich zweimal draufgestanden bin grabe ich meine Badehose aus der lehmigen Pfütze, mache trotz allen Umständen ein freundlichem Gesicht und dann ein Selfie für meine Frau, bzw. für mich.

See

Sie kommen zurück. Verdammt. In der einen Hand das Handy und in der andern das schmutzig triefende Stück Wäsche versuche ich, sie zu ignorieren. Meine Unterhose liegt auf der andern Seite des Fahrrads auf dem feuchten Waldboden. Ich will nicht reden.

Sie: „Wir können ja die Sachen hier (Anmerkung: Rund 10 Meter entfernt, vermutlich der genetische Sicherheitsabstand) deponieren.“

Deponieren – super Wort. Wie im Militär. „Deponiert das Gepäck und die Waffen auf einer Linie! Marsch!“ Unschöne Bilder. Sie macht es vor, Mathieu folgt. Sie „deponieren“ ihre Habseligkeiten gut getarnt hinter einem Baum, denn man weiss ja nie… Ich überlege mir, ob ich vertrauenswürdig aussehe. Oder eher wie jemand, der Vollkornriegel und lauwarmes Rivella blau klaut? Was soll’s.

Sie kommt verkrampft lächelnd auf mich zu. Das Badekleid aus den Eighties, vermutlich vom Ackermann-Versand.

Sie: „Sind Sie fertig?“

Fertig? Fertig?! Wenn die wüsste, wie fertig ich wirklich bin.

Ich: „Ja, schön war’s. Sehr angenehm.“

Sie: „Ja, nicht wahr?“

Ich: „Doch, war.“

Sie lächelt schon wieder so blöd (als hätte sie einen Backenkrampf) und geht mit angewinkelten Armen zaghaft ins Wasser.

Sie: „Ha, so schön, so warm, da braucht man sich nicht mal zu benetzen!“

Hrrrgggghhhh…bitte…!  Sie schwimmt endlich von dannen und verschwindet hinter dem Schilfgürtel. Durch den Fahrrad-Rahmen fische ich die Unterwäsche vom Boden und ziehe sie rasch an – fast ohne noch mit den Dreckfüssen alle Rändern zu berühren.

Mathieu kommt heran gewackelt. Im Gegensatz zu seinem Gesicht war ihres wie das eines entspannten Engels. Mathieu leidet extrem. Seine feuchten Füsse kennen das Leben bestimmt seit mehr 30 Jahren nur in gut eingetragenen Baumwollsocken und Schuhen, die dank praktischen Gummisohlen schön schützen und abfedern.

Er ächzt: „Allo!“

Ich: „Hallo.“

Fertig Dialog. Passt schon. Er stirbt ja fast, der Arme. Du meine Güte – was findet eine Frau an einem solchen Typen? Sieht ja nicht mal nach sozialer Absicherung aus, der Hungerhaken. Hoffentlich kriegen die nie Kinder. Haben die überhaupt Sex? Unschöne Vorstellung.

Er hat die Tortour überstanden und schwimmt auf sie zu. Er sieht aus wie ein Stück Treibholz.

Sie: „Mathieu! Sooo herrlich! Und so ruhig! Ich möchte im Sommer einmal nach Schweden.“

Er: „Warum?“

Sie: „Hmm – einfach so.“

Ich glaube, Mathieu versteht gar kein Deutsch. Oder die Frau nicht. Oder überhaupt nichts.

Ich jammere nicht. Ich radle dankbar nach Hause. Befreit und bereichert.

 

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Allgemein, Krisenbewältigung

Seien wir mal ehrlich

Ist ein Drink wirklich nötig? Zuhören? Komplimente? Verständnis? Türe aufhalten? Romantische Musik? Tanz beim Kerzenlicht? Langsames verführen? Achtsamkeit?

Er mag keinen Prosecco. Weiberthemen interessieren ihn nicht. Nette Worte kennt er bestenfalls aus Schlagern. Langsame Musik macht ihn aggressiv, Tanzen sei was für Schwule und Kerzen für Nonnen. Zeit hat er wenig, Geduld überhaupt nicht.

Also:

Hurghada Airport – August 2011

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Glaubenssätze

Gehört alles mir!

Der Herr surft gerne im Internet. Seit einiger Zeit macht ihm sein Morzilla Firefox Browser jede Mal beim Öffnen das Internet mit den folgenden Zeilen zum Geschenk: „Das Internet gehört uns allen, Setzen Sie ein Zeichen und zeigen Sie Ihre Unterstüzung für das weltgrößte öffentliche Gut.“ Abgesehen davon, dass das weltgrößte öffentliche Gut wohl eher in Luft und Wasser gefunden wird, will der Herr dieses Geschenk des Browsers nicht annehmen. Denn, was da als schöpferischer Anteil angepriesen wird, hat den Charakter einer feindlichen Übernahme. Nein, das Internet gehört niemanden, wie das Wasser und die Luft, die Sonne und das Licht, die Klänge und die Farben, der Raum, die Zeit, die Gedanken, die Träume, das Wohlgefühl, die Lust, die Phantasie, das Glück, die Logik, die Sprache…

(wird wiederholt, voraussichtlich am 18. August 2011 auf www.eukomm.de

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Glaubenssätze

Überstanden

Viele meinen: „Gott sei Dank, die Krise ist überstanden“ und freuen sich. Ich freue mich auch, wenn sich viele freuen und denke doch etwas skeptisch darüber nach, welche Lernprozesse stattgefunden haben. Nun gut, Elektroautos werden gebaut, Menschen machen sich Gedanken wie sie vom Erdöl unabhängiger werden können und befürworten einen Wechsel zu erneuerbaren Energien. Was aber haben wir gelernt? Ducken und durchhalten? Weiterlaufen? Nach innen orientieren?
Was habe ich gelernt? Das kann ich beantworten: Meine Zukunftszenarien überprüfe ich jetzt regelmäßig und investiere viel mehr in Freude, Intelligenz, Kommunikation, Denken, Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen statt in langfristige Versicherungsverträge, Anlagen und Fonds. Die Versprechungen aus der Welt von Morgen wurden für mich unglaubwürdig. Als ich „unglaubwürdig“ schreibe fällt mir auf, dass ich auch nicht mehr so leicht glaube wie vor der Krise, glaub‘ ich.

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Strategien und Modelle

Ausblicke

Ha, lustig, die Feelings und sehr weitblickend, der Artikel über Veränderung von Dani Nieth. Ja, wohin wird’s gehen? Das kann keiner wissen, auch nicht die, die aus Kaffeesatz lesen und tief in Glasaugen schauen. Lassen wir uns also überraschen und planen wir derweil die Zukunft. Denn, es macht schon einen Unterschied, worauf ich meine Energien verwende. Ob ich mich selbst im Kreislauf des Jammers drehe oder Ziele angehe, mit denen ich mich einverstanden und verbunden fühle. Da waren sie wieder, die „Feelings“. Ein Kollege von uns sagte einmal vor einem Konzernvorstand: „Sind wir doch ehrlich, meine Herren, letzten Endes, nach all den Szenarien und Präsentationen entscheiden wir aus dem Bauch!“ Ich erwartete einen Aufstand, doch es blieb stumm und ebenso stumm war das bejahende Kopfnicken der Herren. Der Bauch, die Gefühle spielen bei Entscheidungen eine große Rolle und wir können herausfinden welche Rollen anderen Sinnessysteme, wie zum Beispiel das Sehen, das Hören spielen. Wenn wir wissen, wie wir danach fragen. Auf diese Weise gelingt es uns, Entscheidungsstrategien individuell zu modellieren. Eine wundervolle Chance aus der Krise.

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Bild und Text: Franz Stowasser

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Allgemein

Männer mit Gefühlen

Who says, men have no feelings?

Ich spüre meine Beine nach 18 Loch auf dem schönen und sehr ruhigen Platz des GCC Zürich-Zumikon. Und ich spüre eine Unmut gegenüber dem Golflehrer, der es gut meint mit seinen Tipps. Jammer. Ich habe ihn nicht darum gebeten, ich nehme keine Stunden. Und jetzt läuft ein schräges Programm in meinem Kopf und das gute (sichere) Gefühl ist Geschichte. Jammerjammer. 

Ich spüre meinen Magen. Burger und Bier.

Ich spüre das Wochenende.

Ist spüren und fühlen eigentlich das Selbe?

Happy weak end!

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